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Lesben ins Netz! (reloaded)

Meine Lieben: In Internetjahren gerechnet bin ich eine Großmutter. Zur Zeit meines Coming Out, also im Frühling meines Lebens, da gab es noch kein Internet. Kein Lesarion! Kein Google, keine Lesbenseiten, ja selbst S-hip kreiste noch in der Erdumlaufbahn. Unvorstellbar! Damals reiste man mit der Droschke in die nächste Großstadt und hat dort den Frauenbuchladen aufgesucht, um ein Buch über Lesben zu kaufen. Und einen Lesbentaschenkalender mit Adressen von Frauencafés.


Kein Online-Dating, keine leicht zugänglichen Infos über wann was wo szenemäßig abgeht. Mich gruselt, wenn ich dran denke. Und trotzdem [hebt besserwisserisch den zittrigen Zeigefinger] sind auch wir damals irgendwie groß geworden...

Heutzutage ist die Diskussion eine ganze andere: Wie viel Social Web darf sein? Muss sein? Lieber zu Facebook oder MySpace? Oder reicht ein Lesarionprofil? Bloggst du noch oder twitterst du schon? Mit dem Handy? Neulich bekam ich eine Einladung für Google Wave – the next generation in Sachen Web 2.0 sozusagen, oder ist das schon 3.0? Manchmal raucht mir schon fast der Kopf: jedes Jahr ein neuer Hype, eine neue Plattform, ein neues Gadget, Widget, eine neue Technologie...

Inzwischen reicht es auch nicht mehr aus, „nur“ einen Blog zu besitzen. Oder eine Homepage. Ach Gott, wie old fashioned. Das versinkt ja alles in der großen weiten Websuppe, wenn man sich nicht ständig an mehreren Stellen im Gespräch hält. Wer sich nicht verlinkt und vernetzt bleibt ein Mauerblümchen im Net. Eine Party mit Flyern bewerben? Funktioniert nur noch bei der Zielgruppe Ü40. Ansonsten: Newsletter, Facebook-Invitation, twittern bis die Platine raucht.

Ich gebe zu, meine geschätzten Leserinnen, selbst ich, Miss Kitty Hunter Web 2.0, möchte angelegentlich den Stecker ziehen, die Festplatte nullen und mich bei den Anonymen Internetsüchtigen anmelden: „Hallo, ich heiße Kitty, gestern bin ich beinahe ausgeflippt, weil ich nicht in mein Facebook-Account kam. Ich brauche Hilfe...“

Dann wiederum gibt es die Momente, da staune ich über den Fortschritt, wie enorm sich mein Leben durch das Internet geändert hat und was das World Wide Web für fantastische Möglichkeiten mit sich bringt. Das Internet ist ein Ort geworden, durch den wir Lesben uns vernetzen können, auch über geografische Grenzen hinweg: Wir wissen, da sind noch so viele andere. Wir teilen unsere Geschichten mit ihnen, unsere Erfahrungen, unser Wissen, unsere Zeit, unsere Informationen, unsere Sichtbarkeit. Und das finde ich grandios. Ich bin eine Zeitzeugin. Eine Überlebende der Generation Wählscheibe. Und ich möchte jede Lesbe dazu ermutigen, sich mit Freude ins Netzgetümmel zu werfen: wir können eine große Familie sein.

Web ahoi!
Eure Kitty H.,
http://twitter.com/stuttgart_grrl

* * *

News News News:

In der Zwischenzeit hat das 21. Jahrhundert die Szene überrollt: Das Sarah, man bedenke: das älteste Frauenkulturzentrum Deutschlands!, ist nun auch im Web 2.0 vertreten und die Mädels freuen sich, wenn Ihr mittwittert, abonniert, diskutiert, followed, kommentiert und Gefällt-mir-Buttons betätigt. Hier die Links:

Twitter: http://twitter.com/dasSARAH

Facebook Fan-Seite: Frauenkulturzentrum Sarah


* * *

Das Kleingedruckte:
Surft nicht unbedingt mit Euren echten Namen und Daten im Netz herum. Es gibt eine Menge Leute, die das wirklich nichts angeht. Geht mit Fotos von Euch selbst und anderen verantwortlich um. Nicht jede findet sich gerne ungefragt in der Öffentlichkeit wieder. Benutzt in sozialen Netzwerken die Sicherheitseinstellungen für persönliche Daten.


    Kommentare

  1. Susanne meint am 31.12.2009 11:50

    Aah - schöner neuer Beitrag, Kitty!
    Hach du bist so eine moderne Frau, aba ich freu mich schon dich nachher in Realität 0.98 zu treffen, weil es geht doch nix über so ein echtes soziales Netzwerk!!

  2. Kitty meint am 31.12.2009 11:53

    Das ist wohl war. Darauf trinken wir einen!!

  3. Agrippina meint am 31.12.2009 14:11

    Meine weise Kitty! Ich bin auch sehr glücklich darüber, dass ich dank Internet immer schön von dir hören kann. Aber ich beneide auch Susanne, weil sie dich nachher sprechen kann... ach, man kann nicht alles haben. Guten Rutsch!

  4. Kitty meint am 31.12.2009 16:31

    Euch auch allen einen guten Rutsch! Masel tov!

  5. Marlene meint am 31.12.2009 20:25

    Liebe Kitty, liebe Susanne,
    unter Scherz und Spiel und Tänzen, soll dir dieses Jahr entflieh`n, Freude deine Stirn umkränzen und Gesundheit dich umblüh`n. Keine Stunde sei dir trübe, immer heiter sei dein Blick; holde Freundschaft, süße Liebe, mehre deines Lebens Glück! :-)
    In diesem Sinne,
    guten Rutsch und alles Liebe und Gute für 2010!
    Viellecht sehen wir uns am Samstag in der Diesel zur FRAUENDISCO.

  6. Ambitionsmädchen meint am 05.01.2010 09:56

    Liebste Kitty, wie so oft ist dem nichts mehr hinzuzufügen... außer vielleicht das Rezept von deinen appetitlichen Forellenhäppchen?

    Uns allen einen starken Start ins neue Onlinejahr!

  7. Kitty meint am 05.01.2010 20:36

    Bedaure, meine Liebe, aber dieses Rezept ist das geheime Rezept eines Aphrodisiakums, welches über Generationen in meiner Familie von Welt und Adel von Frau zu Frau vererbt wurde. Ich bin nicht befugt es aus der Hand zu geben oder es trifft mich ein Fluch, der so entsetzlich und entstellend ist, dass ich ihn nicht auszusprechen vermag... *schauder*

  8. Ambitionsmädchen meint am 06.01.2010 18:11

    ...mist...

  9. Katinka meint am 18.01.2010 13:16

    Zum Thema news:
    ja ja das Sarah ist nun im 21.Jahrhundert angekommen....super!
    Nur was mich mittlerweile mit dem ganzen twitter,facebook,lesbenkontakt-seiten ect.
    irritiert ist, dass mächtig geposted und Freundschaftsangefragt, gechattet und was sonst noch wird, aber es dennoch eine recht große Sprachlosigkeit und Exklusion innerhalb der realen (Lesben-)Welt gibt...
    Naja ist wohl vielleicht ein allgemeines Phänomen
    des Cyper-Zeitalters....

  10. Kitty Hunter meint am 18.01.2010 13:26

    Aber... es wird besser, find ich. Zumindest in der Kategorie 35plus. Ich hab mich noch nie mit so vielen fremden, neuen Lesben unterhalten, wie im vergangenen Jahr. Das ist ein Hoffnungsschimmer! Ich glaube fest an das Gute :-)

  11. Katinka meint am 18.01.2010 16:13

    Na die Hoffnung stirbt zuletzt *g*( das ist nicht ironüsch gemeint!)
    Hast Du mit den fremden und neuen Lesben so richtig im echten Leben gesprochen?
    Meine Erfahrung ist, dass dies prima mittels Medium Internet ect. klappt, aber sobald es zu konkreten Treffen( keine Anbändelungen!)kommt, dann wird gekniffen....

  12. Kitty Hunter meint am 18.01.2010 16:32

    Oh... vermutlich ist das Geheimnis meines Erfolgs, dass ich mit den fremden und neuen Lesben ausschließlich im echten Leben geplaudert hab. Meine Devise: Internettalk nur zum Informationsaustausch oder zum Zeitvertreib - Plaudereien mit echten Menschen aber nur im echten Leben. Funktioniert eigentlich ganz gut so. Die alte Kunst ist natürlich: wie lernt man Menschen im echten Leben kennen? Die Problematik kann Bücher füllen ;-)

    Hat sonst noch jemand Erfahrungswerte diesbezüglich? Oder eine Meinung? Ich wäre interessiert!

  13. Susanne meint am 19.01.2010 13:52

    Hi Kitty,
    die nächste Möglichkeit zum plaudern und echte Lesben kennenlernen ist am 19.2. - dafür gibt es doch den Take-over-Friday - bin gespannt welchen Laden wir diesmal füllen:-) Demnächst hoffentlich Details.

  14. Kitty Hunter meint am 19.01.2010 13:55

    Prima!! Ich warte auf die Details...

  15. cordel meint am 19.01.2010 14:18

    Hoffentlich wieder ein ganz kleiner Laden, den wir dann "überfüllen" können. Damit es wieder so kuschelig wird, wie in der Konditorei. Dann klappt's auch mit dem kennen lernen.

  16. Kitty Hunter meint am 19.01.2010 16:31

    Sehr gute Strategie!

  17. Katinka meint am 19.01.2010 16:42

    TOF..juha...da ist wirklich toll zu kontaktieren und zu plaudern!
    Na die Kunst jemanden kennen zu lernen:
    Mut und Kommunikation...und einfach eine Portion
    Philantrophie ;-))!
    Und das Netz...unendliche Weeeeeeeeiten....

  18. Pat meint am 21.02.2010 13:42

    Ich hab durchaus auch Lesben im Netz kennengelernt von Nah und Fern und sie real getroffen. Allerdings schalte ich nur noch seltenst meine Messengers ein. Die sind mir zu zeitraubend, da schreib ich lieber Mails.

    Den Take over fand ich anfangs richtig gut; leider wars so, dass ab 21.30 ein Take-over des Take-overs durch die Heteroszene stattgefunden hat und um 22 Uhr plötzlich fast alle Lesben verschwunden - oder nicht mehr sichtbar? - waren. Es wurde dann auch so laut, dass Gespräche selbst mit der nächsten Nachbarin nicht mehr möglich waren und das hat uns um halbelf auch flüchten lassen.

    Da liegt Cordel vermutlich ganz richtig in ihrer Aussage weiter oben. Vielleicht das nächste Mal?

  19. Kitty meint am 21.02.2010 21:11

    Zugegeben: ich mag die kleineren Locations auch lieber. Schon allein, weil ich im Schummerlicht niemanden mehr erkenne, der mehr als 2 Meter von mir entfernt steht.

    Liebe ToF-Frauen, nehmt Rücksicht auf das Alter!
    :-)


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