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Kitty stellt die K-Frage zum CSD

Liebe, sehr verehrte Leserinnen, der CSD steht vor der Türe, und wir freuen uns darauf wie die Christen auf das Christkind, Coca Cola auf den Truck oder der Herr Schuster auf seinen Bahnhof, kurzum, wir freuen uns schon wie verrückt. Leider geht mit der Vorfreude auch ein Problem einher, genauer gesagt tritt dieses Problemchen jedes Jahr um diese Zeit in mein Leben, nämlich dann, wenn es um die K-Frage geht.


Mit der „K-Frage“ meine ich hier nicht das Mich-Wundern-darüber, dass die Kanzlerin auch heuer kein Grußwort schicken will, nein, es geht, klaro, um die Kleiderfrage. Und jetzt kein Wort von wegen, das betrifft Euch nicht, Ihr steht da darüber und blabla. Ich glaube vielmehr, dass die leidige Klamottenfrage am CSD in den letzten zig Jahren schon zig hunderte und tausende von wackeren Lesben und Schwulen in den Wahn getrieben hat, Scheidungen provozierte, Freundschaften zerstörte und dergleichen. Wann bitteschön sitzt man quasi schon mal derart auf dem Präsentierteller, nicht nur als Aushängeschild vor den Heten sondern auch als potenzielles Häppchen vis a vis dieser vielen vielen gut aussehenden und netten und begehrenswerten Frauen, die da alle stehen und gucken und mitlaufen und gucken und lächeln und gucken. Und sagt jetzt nicht: ich bin schon vergeben, das ist mir wurscht. Nein! Donnere ich Euch entgegen! In uns allen steckt heimlich an diesem einen Tag ein Showboat, eine Dieseldyke, die in der ersten Reihe mitfahren will, eine gloriose Dragqueen, ein sehr schicker kesser Vater, eine wogende Walküre, eine Regenbogenzauberin, ein Casanova, eine kämpferische Suffragette, eine Fairyqueen, ein ganz verruchtes Luder, eine lesbische Königin, eine queere Kanzlerin, eine wunderschöne TV-Moderatorin. Genau, was würde Anne Will wohl tun? Nun, das ist einfach, sie würde sich in einen totschicken Hosenanzug werfen, ihr glänzendes Haar bürsten, Lippenstift aufpinseln, ihre Frau Professor schnappen und abhotten, abhotten, abhotten!

Nun zurück zu mir, und meinem Problem. Hätt ich doch beizeiten 10 Kilo abgenommen... Aber zu spät, also: Sollte ich EINMAL im Jahr richtig schick sein? Mit Bügelfalte und so voll sexy Blüschen? Wie die Anne? Oder, um meine Lieben und Liebsten nicht gänzlich in den mächtigen Schatten zu stellen, eher lässig gehen, leger aber süß? Ich hätte da z.B. dieses neue originelle T-Shirt, kicher... Oder aber, und das nehme ich mir nun schon seit Jahren immer aufs Neue vor: ein politisches Statement abgeben? Knackiger Spruch aufs T-Shirt, damit die Spießbürger mal wissen, wo die Bärbel den Most holt! Ich suche nun schon Woche um Woche nach einem flotten Sprüchlein, aber ohne Erfolg. „Macht Mut“ heißt das Motto, aber mal ehrlich, das allein auf meinem Shirt gewinnt noch keinen Originalitätsbonus. Vielleicht gebe ich die kreative Aufgabe einfach an Euch weiter?

Denn, in einem hat der immer viel kritisierte Christoph Michl recht: Macht den CSD doch politisch, statt immer nur über die Kommerzialisierung zu jammern. Jede sollte sich mit einem Schildchen bewaffnet oder einem Spruch auf dem Shirt in die Festivität werfen, und für ihr und Euer und unser aller spezielles Anliegen demonstrieren. Denn: Wior sind das Volk! Und apropos Politik und schrilles Outfit: Bevor wir wieder greinen, dass die aufgetakelten Tunten und die "Perversen" die schöne Demonstration für Gleichberechtigung und Anerkennung kaputt machen: Beim legendären Stonewall Inn Aufstand vor 40 Jahren waren es eben diese, die für uns die Freiheit erkämpft haben: die Schrillen und die Bunten und die „Unnormalen“. Und mal ganz ehrlich, auch wir Lesben möchten nicht dazu gezwungen sein, uns wie Anne Will aufbrezeln zu müssen. Wir beharren schließlich auch auf das Recht, unseren Platz in der Gesellschaft ungeschminkt, kurzhaarig und in bequemen Schuhen einnehmen zu dürfen, und so und nicht anders auch auf der Parade mitzulaufen. Nicht als Männerphantasie oder Frauencliché. Sondern als die, die wir sind. Auch wenn wir, optisch und inhaltlich, unbequem sein sollten für die Gesellschaft.

In diesem Sinne Schwestern hebe ich das Bierglas und rufe: Lieber lesbisch lebensfroh, als verklemmt und hetero! Prost! Prösterchen! Party on!


 

    Kommentare

  1. Ambitionsmädchen meint am 27.07.2009 22:33

    ...und ich dachte schon mit diesem Gedanken setze ich mich erst Samstag 13.40 Uhr auseinander... jetzt werden die Abgründe im Kleiderschrank schneller Gegenwart als ich "Fashion Victim" sagen kann...

  2. Kitty meint am 28.07.2009 11:26

    Ach wo! Ich wette, du siehst in allem umwerfend gut aus!
    Ein wenig neidisch:
    Kitty

  3. Eugi meint am 01.08.2009 04:42

    Wenn frau Outfit wiederholen darf, den Schiedsrichterin Kleid beim Lebenslauf fand ich sexy ;-)
    Ansonsten in SFO gab's viele Frauen oben ohne. Aber vielleicht wäre ja sowas in Stuggi einen Skandal...

  4. Kitty meint am 01.08.2009 09:46

    Mein sexy Schiedsrichter-Gear hat dir gafallen? Prall. Damit könnte ich heute sicher bei den Latex-Menschen auf dem Wagen mitfahren :-)

  5. Eugi meint am 01.08.2009 14:30

    Da würde ich nur eine gelbe und eine rote Karte mit Herz Form addieren. Damit kannst Du sicherlich ein paar nette Mädels kennenlernen.
    Happy pride!

  6. Ophelia meint am 03.08.2009 14:44

    Na - das Outfit war doch nun wirklich klasse und du hast sicher die eine oder andere Eroberung gemacht, oder? *lächelbreit*

  7. Kitty meint am 03.08.2009 15:25

    Danke für das nette Kompliment :-)


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