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A village affair


Dorfidylle 

A village affair ist ein optisch wie auch erzählerisch wunderschöner britischer Film nach dem gleichnamigen Roman von Joanna Trollope. Das englische Dorfleben sowie die eine oder andere typisch britische Eigenart sind exzellent dargestellt und schaffen eine sehr schöne Atmosphäre für den ganzen Film. Die Dorfidylle mit ihren traditionellen Werten bilden den braven Rahmen für eine zunächst sehr brave und angepaßte Frau, die mit ihrer Emanzipation eben diesen Rahmen sprengt und für eine Sensation sorgt, die genügend Stoff für mehrere Jahre Dorfklatsch liefert.

Clodagh

Martins Mutter Cecily findet in dieser perfekten Umgebung das perfekte Haus für ihren Sohn und seine Frau Alice. Und damit ihre Schwiegertochter diese Perfektheit nicht ruinieren kann fängt Cecily bereits an, sich um Inneneinrichtung und Garten zu kümmern. Alice ist davon natürlich wenig begeistert, bleibt als brave Schwiegertochter jedoch ruhig und freut sich auf Cecilys Abreise. Diese wird jedoch bald von der dominanten und reichen Nachbarstochter Clodagh ersetzt, die sich im Haus breit macht und die drei Kinder sowie Martin sofort für sich gewinnt. Alice ist mit ihrer Kritik zurückhaltend, obwohl sie innerlich kocht. An einem Abend wird jedoch klar, was das lesbische Publikum schon längst ahnt. Als Alice mit den Kindern wegfährt und Martin bei einem gemeinsamen Abend mit Clodagh diese küssen will, erhält er eine deutliche Abfuhr. Und wir beginnen zu verstehen, daß Clodagh nicht wegen Martin ihr zweites zu Hause bei den Jordans aufgeschlagen hat, sondern wegen Alice. Als Clodagh ihr erzäht, daß sie nicht wegen einem Mann aus New York zurück in die englische Heimat gekommen ist, sondern wegen ihrer Exfreundin und wenig später Alice ermuntert, einen neuen Stil beim Malen auszuprobieren, faßt Alice Vertrauen. In einer wunderschönen Szene voller Atmosphäre gesteht Clodagh schließlich ihre Gefühle Alice gegenüber. Die Frage "shall I stop?" wird mit einem sanften und gefühlvollen "No." beantwortet. Die Szene ist die stimmungsvollste im ganzen Film und sucht vom Niveau der gleitend ineinander überfließenden Monologe und Gesten ihresgleichen.

Clodagh und Alice

Wie so oft in lesbischen Filmen jedoch wird die herzerweichende Stimmung sofort gestört. Noch während die Frauen ihre Zweisamkeit genießen werden die Bilder des anreisenden Schwagers eingestreut. Das Unheil naht. Auf dem Dorffest verklickert Anthony dann auch dem bis dato nichtsahnenden Martin die Wahrheit über die beiden Frauen. Auf dem Dorffest bleibt das natürlich auch nicht dem Rest verborgen. Die Sensation ist perfekt als Martin seine Familie verläßt und in den sicheren Hafen der Eltern zurückkehrt. Doch nicht alles kommt so wie man es vielleicht erwartet. Martin ist tief verletzt, überläßt Alice jedoch die Kinder, weil er glaubt, daß diese Alice mehr brauchen als ihn. Er fügt sich erstaunlich gut seinem Schicksal auch wenn er fassungslos vor Schmerz ist. Und die eine oder andere Dorfbewohnerin kommt zu Alice um ihr zu sagen, daß sich in ihrem Verhalten nichts ändern wird. Ist hier etwa ein lesbisches Happy End in Aussicht und das Verständnis, das wir selbst überall suchen und erhoffen? Nein, natürlich nicht. Der Großteil des Dorfes verhält sich feindseelig und Alice verläßt nicht nur ihren Mann, sondern auch Clodagh, die deren Entscheidung durch kein Flehen zu ändern vermag. Alice zerstört zwar unser ersehntes glückliches Ende, nützt die Ereignisse jedoch als Wendepunkt in ihrem Leben und verläßt dieses wie sie am Schluß mit ihren Kindern aus dem Dorf fährt in eine neue Zukunft.

A village affair ist ein sehr bewegender Film. Allerdings fehlt für meinen Geschmack eine Fortsetzung. Es gibt auf dem lesbischen Filmmarkt viele Streifen, die solch einschneidende Augenblicke in Frauenleben darstellen. Und die meisten davon widerum erzählen wie eine bisher heterosexuell lebende Frau ihre wahre Veranlagung erkennt. Was jedoch fehlt, sind Geschichten, die das danach beleuchten. Wäre es nicht auch mal interessant zu sehen, wie diese Frauen ihr neues Leben gestalten? Bleibt abzuwarten, ob die Filmindustrie eines Tages diese Richtung abdecken wird.

Sophie Ward, die in A village affair als Alice ihrem Mann zugunsten einer Frau verläßt, hat im übrigen kurz nach Erscheinen des Films im realen Leben ebenfalls ihren Mann verlassen, um mit einer Frau zusammen zu leben. Gerüchten zufolge haben die beiden sogar geheiratet. Ist es nicht schön, wie sehr manchmal Film und Realität ineinander übergehen?

Großbritannien, 1994, 101 min.
Regie: Moira Armstrong
Drehbuch: lma Cullen nach dem gleichnamigen Roman von Joanna Trollope
Video, VHS-pal, ntsc, DVD
mit Sophie Ward (Alice), Kerry Fox (Clodagh), Nathaniel Parker (Martin), Claire Bloom (Cecily).

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