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Venus Boyz

"I declare Drag Kingdom come!" - Mit diesen Worten eröffnet ein Drag King im Elvis Look eine Drag Show im New Yorker Club Casanova. Nacheinander treten die schillernsten Figuren auf, die - so meint man - unverwechselbar männlich aussehen.
Drag Kings sind jedoch Frauen, die sich nicht nur wie Männer kleiden, sondern auch einen Bart kunstvoll auf das Gesicht zaubern, Dildos in die Hose stopfen und das Gebaren eines Mannes täuschend echt nachahmen. Sie sind also die weiblichen Drag Queens (Männer, die sich als Frauen schminken, kleiden und geben). Die Drag Kings in Gabriel Baurs Dokumentarfilm Venus Boyz (Venus ist übrigens die römische Göttin der Liebe) zeigen eine breite Palette, wie eine weibliche Männlichkeit gelebt werden kann. Del LaGrace Volcano experimentiert mit Testosteron, die Amerikanerin Mildred arbeitet tagsüber im Büro und tritt abends als Dred in Drag King Shows auf, die Drag King Pionierin Diane Torr ist Mutter einer Tochter und gibt heranwachsenden Drag Kings Unterricht, und Deutschlands bekannteste Drag King Bridge Markland, die das internationale Festival "Go drag!" in Berlin zusammen mit Diane Torr organisierte, erzählt ebenso wie alle anderen ihre Gedanken zu Geschlecht, Geschlechterrollen und Geschlechtswahrnehmung. In der Erzählung sind nur die vielfältigen Stimmen der Drag Kings zu hören und sowohl Szenen aus ihrem Alltag, als auch ihre faszinierenden Auftritte in abendlichen Shows zu sehen. Dadurch, daß sich die Regiesseurin jeglichen Kommentars enthält, erhält man einen wunderbar objektiven Dokumentarfilm und jede kann sich ihr eigenes Bild machen. Und obwohl in Venus Boyz nur Künstlerinnen gezeigt werden, die das Drag Kingdom zu einer Kunstform erhoben haben, und uns ein Blick auf Drag Kings, die sich nur im Alltag als solche geben, verwehrt bleibt, kommt die Betrachtung der existentiellen Notwendigkeit dieser Frauen, in die männliche Rolle zu schlüpfen, nicht zu kurz.
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In Anbetracht dessen, daß die Drag King Szene in Deutschland erst am Heranwachsen ist, könnte Venus Boyz im Übrigen einen Anstoß zu deren Weiterentwicklung geben. Als ich aus dem Kino kam, verspürte ich zumindest große Lust, auch meine männliche Seite mal so richtig auszuleben - wenngleich auch nur vorübergehend - nicht daß hier jemand ein falsches Bild von mit bekommt ;-) .
Für mich ist Venus Boyz außerdem ein längst überfälliger Film, tauchen doch Drag Queens dagegen recht häufig in diversen Filmen auf. Ebenso oft haben wir ja auch schon Frauen in Männerkleidern geshen, die jedoch weit von Drag Kings entfernt sind - ganz besonders in den sogenannten Hosenrollen Filmen wie zum Beispiel Jugend und Tollheit. Noch dazu ist mit Venus Boyz der Regisseurin Gabriel Baur ein guter Start in diese Richtung gelungen. Auf dem Filmfestival von Locarno erhielt sie von der Jury "Semaine de la Critique" den Hauptpreis als "formal und ästhetisch sehr gelungenen Film".
Schweiz, 2001, 104 min.
Regie: Gabriel Baur
Produktion: ONIX Films, Clockwise Productions, WDR, Teleclub
Verleih: Movienet Film München
Mit Dréd Gerestant, Diane Torr, Del LaGrace Volcano, Bridge Markland, Dee Finley.
Homepage: www.venusboyz.net
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