Evas Buch- & Filmecke

BücherFilme


Filme

Grüne Tomaten


Ruth und Idgie 

Lange habe ich überlegt, ob ich diese Filmkritik sehr kurz ausfallen lassen soll und unter die Rubrik "Weitere Filme von Interesse" stelle, oder eine ausführliche Kritik schreibe. Der Grund hierfür ist, daß im gleichnamigen Buch, nach dem dieser Film gedreht ist, deutlich ist, was man im Film nur erahnen oder gar übersehen kann: nämlich, daß Idgie Threadgoode und Ruth Jamison ein Liebespaar sind. Der Regiesseur wollte schlicht und ergreifend nicht, daß sich ein heterosexuelles Publikum befremdet vorkäme und Grüne Tomaten sonst nicht in die Liste ihrer Lieblingsfilme aufnehmen könnte - Lesben dürfen da ja nicht rein. Schön, daß er hier dem Mehrheitsprinzip der Demokratie -pardon- des Kapitalismus gefolgt ist. Und dabei wäre dies sicherlich nicht notwendig gewesen, denn Grüne Tomaten ist ein sehr schöner und kraftvoller Film, der nicht nur von den hervorragenden Leistungen der SchauspielerInnen lebt, sondern auch von vielen stimmungsvollen Bildern und einer Geschichte mit viel Eigendynamik. (Das Drehbuch und die Schauspielerin Jessica Tandy (Ninny) wurden nicht umsonst für den Oscar nominiert.)

Evelyn und Ninny

Die Erzählung ist in zwei Handlungsstränge aufgeteilt. Als Rahmen dient die Erzählerin Ninny Threadgoode, welche die Geschichte der frustrierten typischen amerikanischen Hausfrau Evelyn Couch erzählt und dadurch bei dieser eine regelrechte Emanzipation und neues Lebensgefühl auslöst. Immer wieder pendelt der Film zwischen den Begegnungen von Ninny und Evelyn, und der Lebensgeschichte von Idgie. Beobachtet man die Mimik von Ninny und Idgie, stellt sich allerdings schnell, aber nur unterschwellig heraus, daß Ninny in Wahrheit ihre eigene Geschichte erzählt. Idgie ist ein sehr eigenwilliges Kind, daß noch mehr zur Einzelgängerin wird, nachdem ihr geliebter Bruder Buddy bei einem tragischen Unfall ums Leben kommt. Ruth, die ehemalige Freundin Buddys soll im Auftrag der Mutter, Idgie wieder aufmuntern und schafft dies auch. Im darauffolgenden Jahr zieht sie allerdings mit ihrem frisch angeheirateten Mann Frank Bennet nach Georgia. Idgie, kommt zwar nicht zur Hochzeit, beobachtet den Einzug aber versteckt hinter einem Baum mit einem Gesichtsausdruck, der schon verrät, daß sie sich verliebt hat. Ein paar Jahre später besucht sie Ruth endlich und muß festellen, daß diese von Frank geschlagen wird. Idgie will ihm ihre Meinung sagen, fährt jedoch nach Ruths eindringender Bitte wieder ab. Als Ruths Mutter stirbt, bittet Ruth allerdings endlich Idgie, sie da herauszuholen. Die beiden beginnen daufhin ein neues Leben in Whistle Stop, Alabama, und eröffnen dort ein Café direkt an der Bahnlinie. Die Spezialität des Hauses sind gebratene Tomaten und das Barbecue von Big George. Hinter dem Haus werden Schwarze in Zeiten des KuKluxKlans freundlich bedient und wie jeder andere Gast behandelt. Nächstenliebe und Menschenwürde sind für Ruth und Idgie sehr wichtig. Alles läuft gut, doch dann fordert Frank seinen bereits in Whistle Stop geborenen Sohn Buddy Junior zurück. Beim zweiten Versuch, ihn nachts zu entführen, sollte Frank eigentlich nur daran gehindert werden, stirbt aber nach einem Schlag mit einer Pfanne auf den Hinterkopf. Bereits wenig später taucht ein Ermittler im Café auf, der Idgie verdächtigt, und da keine Leiche gefunden wird, aber keine Beweise dafür hat. Seltsam, denn das Barbecue schmeckt ihm besonders gut. Idgie und Big George müssen sich ein paar Jahre danach trotzdem dem Gericht stellen, nachdem Frank Bennets Laster aus dem Fluß gezogen wird. Und ausgerechnet der Reverend, der nicht auf seine eigene Bibel geschworen hatte, sondern auf eine Ausgabe von Moby Dick und den Idgie schon immer gern aufs Korn genommen hatte, liefert den beiden ein Alibi.

Big George

Grüne Tomaten ist ein Film, den ich mir immer wieder gerne ansehe. Er hat so viele tolle große und kleine Elemente, die gar nicht alle in eine Beschreibung hineinpassen. Er hat Humor, erzählt aber auch traurige Ereignisse mit einer solchen Macht, daß man auch bei wiederholtem Sehen immer wieder eine Packung Taschentücher braucht. Die teilweise nostalgische und immer wieder sehr stimmungsvolle Atmosphähre fängt das Südstaatenflair sehr schön ein. Komplettiert wird das Ganze von den zwei hübschen Hauptdarstellerinnen als Idgie und Ruth, in die man sich glatt selbst verlieben könnte. Mary Louise Parker, hier in der Rolle von Ruth, hat im übrigen bereits in Kaffe, Milch und Zucker Robin gespielt, in die sich die lesbische Jane verliebt. Übrigens, wer im Internet nach einem Rezept für diese grünen Tomaten sucht, wird schnell fündig. Allerdings seid auch gewarnt: sie enthalten den giftigen Stoff Solanin.

USA, 1991, 130 min.
Originaltitel: Fried Green Tomatoes at the Whistle Stop Café
Regie: Jon Avent
Drehbuch: Fanny Flagg, Carol Sobieski
Produktion: Electric Shadow/ActsIII/Avent-Kerner Co.
Verleih: Senator
Video (VHS-pal, ntsc)
Mit Mary Stuart Masterson (Idgie), Mary-Louise Parker (Ruth),
Kathy Bates (Evelyn), Jessica Tandy (Ninny).

© 2002, sämtliche Rechte vorbehalten, -email entfernt-.

Evas Buch- & Filmecke

BücherFilme