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Tiny and Ruby - Hell Divin' Women & International Sweethearts of Rhythm


International Sweethearts of Rhythm 

Greta Schiller und Andrea Weiss sind alte Bekannt für jene, die sich für lesbische Dokumentarfilme interessieren. Sie sind ein wahrhaftig gutes Team und haben mit Tiny and Ruby einen Film über ein schwarzes Lesbenpaar gedreht, die seit den 1940er Jahren sehr erfolgreiche Swingmusikerinnen sind.

Kennengelernt haben sich Tiny und Ruby in dem Frauenswingorchester International Sweethearts of Rhythm. Im ersten Teil des Films wird die Geschichte dieses Orchesters erzählt. Die Erzählerin wechselt sich mit den Musikerinnen von damals ab, die Originalaufnahmen zu kommentieren. Angefangen haben sie als Schulorchester, mit der Dirigentin Anna Mae Winburn. Sie reisen von Stadt zu Stadt in einem Bus und oft muß sich die weiße Saxophonistin verstecken, weil man damals die Rassen nicht vermischen durfte. Die Mädels werden bald zu einer eingeschworenen Truppe, die durch dick und dünn geht. Einzelen lehnen sogar bessere Angebote anderer Bands ab, weil sie die Mädels auf keinen Fall missen wollen. Vor den 1940er Jahren hätte jedoch ein reines Frauenorchester keine Chance gehabt. Die Musikszene wurde wie alles andere von Männern dominiert. Als die Amerikaner am zweiten Weltkrieg teilnahmen füllten jedoch Frauen die Lücken, die die Männer hinterließen. Und die zu Hause gebliebene Männerwelt war erstaunt: "die spielen ja wie Männer". Wie wenn nur Männer geborene Musiker wären. Damals hat man den Frauen nicht wirklich etwas zugetraut. Heute klingt ein solcher Ausspruch vollkommen fremd und diskriminierend. Interessanterweise zweifelten sogar weibliche Stars wie zum Beispiel Ella Fitzgerald an den Fähigkeiten der International Sweethearts of Rhythm. Bis sie selbst von ihnen begleitet wurde. Es ist doch erstaunlich wie sehr sich ein von Männern geprägtes Frauenbild sich selbst im Bewußtsein von Frauen festsetzen kann. Als der Krieg zu Ende war, mußten die Frauen jedoch wieder für die Männer Platz machen. Eine traurige Tatsache, die auch die International Sweethearts of Rhythm auflöste. Die Zeit war leider noch nicht reif für eine Gleichstellung. Ein Anfang war es aber allemal und so wird Tiny and Ruby zu einer wichtigen Dokumentation in der Frauengeschichte.

Tiny und Ruby heute

Die beiden Musikerinnen Tiny und Ruby geben jedoch nicht auf. Sie gründen die Band Hell Divin' Women und sind erfolgreich wie eh und je. Der zweite Teil der Dokumentation, die im übrigen auch wie zwei einzelne Filme gesehen werden kann, da beide Teile einen eigenen Anfang und Schluß haben, konzentriert sich so auch auf die berühmte Trompeterin Tiny Davis und ihre Partnerin Ruby Renei Lucas im heute und gestern. Die beiden erzählen in ihrem Haus über ihre gemeinsame Band, aber auch über ihre Partnerschaft. Beide schwärmen noch heute voneinander und sind froh über ihre gemeinsamen 42 Jahre. Beide waren zuvor verheiratet, haben Familie, haben sich aber irgendwann von ihren Männern gerennt und lebten ihr Lesbischsein halb offen. In den Clubs fragte niemand danach. Es war einfach wie es war. Nach außen war die Beziehung jedoch nicht so bekannt. Und so wie der erste Teil der Dokumentation ein Stück allgemeine Frauengeschichte darstellt, wird der zweite zu einem Stück interessanter Lesbengeschichte. Im Mittelpunkt steht jedoch weiterhin die Musik. Und die beiden können es noch heute. In einigen Kostproben kommt die Swingbegeisterte durchaus auf ihre Kosten.

Tiny and Ruby hat im übrigen einen Teddy Award erhalten.

USA, 1988, 88 min.
Regie/Drehbuch: Great Schiller, Andrea Weiss
Video, VHS-pal, ntsc, Edition Salzgeber

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