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Serving in Silence
The Margarete Cammermeyer Story

 
Margarete 

Serving in Silence ist einer der wenigen Filme, die sich direkt mit der noch immer herrschenden sozialen Ungerechtigkeit gegenüber Homosexuellen auseinander setzt. Er greift dabei einen Fall auf, der so auch tatsächlich im amerikanischen Militär vorgefallen ist. Eine Frau kämpft um das Recht, als offen lebende Lesbe weiterhin in der Army dienen zu dürfen, wenngleich ein Paragraph im Militärgesetz dies ausschließt. Ein Thema, das einen kämpferischen Film abgeben könnte, zumal dieser sich eindeutig für diese Frau ausspricht. Serving in Silence hat auch diesen Anspruch, doch leider ist die Umsetzung für meinen Geschmack nicht kraftvoll genug und kommt zu beschönigt und verharmlost daher, als ob das Ganze gar nicht so schlimm wäre.

Diane

Margarete hat über 20 Jahre als Krankenschwester beim amerikanischen Militär gedient. Sie wurde nur so mit Auszeichnungen überhäuft und ist voll und ganz vom Militär überzeugt. Doch all das scheint plötzlich nicht mehr zu zählen als sie in einer Routineuntersuchung zugibt, lesbisch zu sein. Im Militärgesetz steht eindeutig, daß Homosexuelle nicht dienen dürfen. Das Militär wendet sich gegen Margarete - die meisten ausführenden Soldaten machen dies zwar widerwillig, doch Gesetz ist Gesetz. Viele Kollegen geben ihr die Möglichkeit, ihre Aussage zurück zu nehmen, um so der unehrenhaften Entlassung zu entgehen. Doch Margarete bleibt unbeirrt. Sie will dafür kämpfen, in der Armee offen lesbisch zu sein und geht vor Gericht. - Und sie hat Erfolg. Ihre unehrenhafte Entlassung wird zurück genommen und seither dient sie wieder. Erstaunlich ist diese historische Entscheidung des Militärgerichts, die wieder einmal zeigt, was man erreichen kann, wenn man kämpft. Das Gericht entschied, daß die Militärpolitik gegenüber Homosexuellen eine klare Verfassungsverletzung ist, und berief sich dabei auf den Satz, daß alle Menschen gleich sind. Doch bis es so weit kommt, durchwandert Margarete eine schwierige Zeit. Glenn Glose spielt dabei sehr gut Margaretes eisernen Willen, ihre Beherrschtheit in der Öffentlichkeit und ihre privat gehaltenen Verzweiflungen. Ihr geht es um das Prinzip - "to be allowed to tell the truth. They asked and I told." Diese Ehrlichkeit und Eindeutigkeit hat sie bisher am Militär so sehr geschätzt und daher kann sie auch nichts davon abhalten, die Armee zu verklagen - alle Achtung! Glenn Glose spielt wunderbar die Rolle dieser Prinzipientreuen Frau, die dem Militär beibringt, daß diese Prinzipien auf allen Gebieten durchgehalten werden sollten. Glenn Glose bekam dafür im Übrigen einen Emmy Award als beste Schauspielerin. Weitere Emmy Awards gingen an Alison Cross für das beste Drehbuch und Judy Davis als beste unterstützende Schaupielerin. Judy Davis spielt Margaretes Freundin, die Künstlerin Diane, die oftmals nicht verstehen kann, warum Margarete diesen beschwerlichen Weg einschlagen muß anstatt ihre Aussage zurück zu nehmen, ist nach dem Erfolg vor Gericht aber wahnsinnig stolz auf ihre Freundin: "I had to fall in love with a hero!" Dianes Haltung, Margarete solle ihre Aussage zurück nehmen entspricht genau der ihrigen, da sie selbst ungeoutet ist - ihre lesbische Veranlagung ist ihr bestgehütetes Geheimnis. Und dann wird sie ausgerechnet während Margaretes Prozess als ihre Freundin geoutet! Sie wird für einen kurzen Augenblick in den Nachrichten gezeigt und ihr Name wird genannt. Sie rennt verzweifelt aus dem Zimmer "I didn't expect to be outet on prime time television!" Und schon klingelt auch das Telefon - ihre Schwester ist am Apparat. Aber wie im echten Leben sind Angehörige nun doch nicht so blind wie wir oft vermuten. Ihre Schwester hat sich schon längst gedacht, daß Diane lesbisch ist und freut sich, daß es nun ausgesprochen ist.

Militärgericht

Was ich insgesamt jedoch als sehr störend empfand ist, daß Margarete alle möglichen Menschen umarmt. Ihre Kinder, ihren Vater und auch Soldaten aus ihrer Kompanie - nur niemals ihre Freundin. Wir sehen kaum eine Berührung. Ein Streicheln durchs Haar ist Seltenheit und auf einen scheuen Kuss müssen wir bis fünf Minuten vor Schluß warten. Warum frage ich da nur. Warum in einem Film, der eine reale Geschichte umsetzt, um das Thema Homosexualität in der Army anzuprangern? Warum in einem Film, der so deutlich auf der Seite der Protagonistin steht? Ich finde keine Antwort darauf. Es ist einfach nur schade, da damit die Anprangerung und die Argumentation vor Gericht, daß Homosexualität nichts mit Abartigkeit zu tun hat, wieder ein Stück an Kraft verliert. Warum kann man eine lesbische Beziehung gerade in einem solchen Umfeld nicht ganz natürlich darstellen, sondern nur als etwas, über das man spricht, aber um Gottes willen sich nicht ansehen will?

Glenn Glose spielt übrigens auch in Das Geisterhaus eine lesbische Frau.

USA, 1994, 90 min.
Regie: Jeff Bleckner
Drehbuch: Alison Cross
Produktion: Barwood Films
Video, VHS-pal
Mit Glenn Glose (Margarete), Judy Davis (Diane), Jan Rubé, Susan Barnes.

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