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Salmonberries

 
Titelbild 

Einer dieser Kunstfilme, die man nicht auf Anhieb versteht und aus denen man erst nach längerem Nachsinnen für sich selbst ein bißchen Sinn herausziehen kann, auch wenn dies nicht unbedingt zufriedenstellend gelingt. Für andere mag gerade das Geheimnisvolle und Unbestimmte, das den ganzen Film durchzieht, der Reiz sein. Doch Salmonberries ist auch einer jener Filme, den Lesben unter anderem nur wegen der Möglichkeit einer lesbischen Szene ansehen. Wieviele dieser Filme gibt es nicht schon, während denen frau die ganze Zeit nach dieser einen Szene hungert, die dann genauso unzufriedenstellend ausfällt wie ein Versuch der Sinngebung für diesen Film? Nach gut 3/4 des Films wird Kotzebue, die männliche Lesbe, der man ihre Veranlagung bereits zehn Meter gegen den Wind ansieht, von ihrer angebeteten Heterofrau Roswitha abgelehnt mit den Worten "this is not me" - einer der seltenen Sätze, die im gesamten Film gesprochen werden (weswegen Schulenglisch zum Verstehen des Films auch gut ausreicht).

Bereits die erste Szene gibt einen Vorgeschmack auf diesen ungewöhnlichen Film. Roswitha, die Bibliothekarin des in Alaska gelegenen Ortes Kotzebue, will gerade die öffentliche Bücherei schließen und bittet sichtlich genervt den letzten Kunden zu gehen. Dieser antwortet zwar nicht verbal, dafür aber indem er mit einem Mal die Bücher von einem Regel durch den Raum wirft. Und noch bevor Roswitha die Polizei rufen kann, ist der seltsame Gast auch schon verschwunden. Nach weiteren obskuren Szenen wird schließlich klar, daß dieser Kunde eine zwanzig-jährige Frau namens Kotzebue ist, die nach ihren Ursprüngen sucht. Als Baby wurde sie in der Kälte ausgesetzt, eingewickelt in eine Pappe, auf der ihr Bestimmungsort Kotzebue stand, nach dem sie benannt wurde. Die sozial und kommunikativ sehr unbeholfene Kotzebue hofft nun, daß Roswitha ihr auf der Suche nach ihren Eltern helfen kann. Diese ist anfangs alles andere als begeistert und versteht Kotzebues Zuneigung, die sie unter anderem durch den Fang eines größen Fisches zeigt, nicht. Doch Kotzebue gelingt es dennoch nach und nach ihre Freundschaft zu erobern und hilft schließlich Roswitha, deren Geister der Vergangenheit einzufangen. Gemeinsam fliegen sie nach Ostberlin, wo Roswitha ihren Mann bei einem Fluchtversucht verloren hat. Durch den Aufenthalt in Deutschland gelingt es ihr sichtlich, ihre Vergangenheit aufzuarbeiten. Und zurück in Alaska finden beide heraus, wer Kotzebues Vater ist. Beide haben letztendlich also eine Art Happy End mit der Ausnahme, daß Kotzebues Werbungen umsonst waren. Oder doch nicht? Der Schluß bleibt offen: Kotzebue rennt zu Roswithas Haus und klopft an - Ende. Und hatte Roswitha im Berliner Hotel nicht auch noch gesagt, daß ihr Kotzebue einiges bedeutet und ihr noch zärtlich hauchend den Kosenamen Bubu gegeben? Hoffen wir nicht alle auf ein lesbisches Happy End?

Insgesamt betrachtet ist Salmonberries wohl am geeignetsten für Kd Lang Fans, die in einer sehr kurzen und unerwarteten Nacktszene und bei dem immer wieder kehrenden Titellied "Barefoot" voll auf ihre Kosten kommen. Denn "Barefoot" ist ein äußerst stimmungsvoller Titel, der die Einsamkeit und Weite Alaskas wunderschön einfängt, und zusammen mit den Landschaftsaufnahmen die seelische Situation der Hauptfiguren wiederspiegelt.

USA und Deutschland, 1991, 94 min.
Regie / Drehbuch: Percy Adlon
Produktion: pelemele Film
Verleih: Futura / Filmverlag
Video, VHS-pal, ntsc
Mit kd lang (Kotzebue), Rosel Zech (Roswitha), Chuck Conners.

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