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Paris was a Woman


Filmplakat 

Paris der 20er Jahre. Eine faszinierende Zeit, eine faszinierende Stadt und faszinierende Frauen. In einer Zeit, in der Frauen anfingen sich durchzusetzen und den Männern zeigten, daß sie sehr wohl denkende und fühlende Menschen sind, ziehen Gertrude Stein, Alice B. Toklas, Colette, Djuna Barnes, Romaine Brooks, Marie Laurencin, Gisèle Freud, Janet Flanner, Sylvia Beach und Adrienne Monnier alle in das gleiche Pariser Viertel. Paris zog in den 1920er Jahren viele Intellektuelle an. Frauen kamen auch, weil sie dort leben konnten wie sie wollten. So ist es auch nicht verwunderlich, wie offen sie mit ihrer Liebe für Frauen umgingen. Paris was a Woman, der den Preis für den besten Dokumentarfilm 1996 in Creteil gewann, ist so in erster Linie ein Film über ein Stück Geschichte der beginnenden Frauenbewegung und ihrer intelektuellen Zirkel, aber auch der lesbischen Emanzipation.

In einer Mischung aus Originalaufnahmen, Photographien aus jener Zeit, Interviews und literarischen Ausschnitten erzählen die Frauen größtenteils ihre Geschichte selbst. Es wird berichtet von den regelmäßig stattfindenden Salontreffen und wie alle dadurch und über die beiden Buchläden Shakespeare & Company (geführt von Sylvia Beach) und La Maison des Amis des Livres (geführt von Adrienne Monnier) zusammen kamen und sich so gegenseitig in ihrer Kunst weiter brachten. Diesem Künstlerinnenzirkel wohnt eine faszinierende und fruchtbare Athmosphäre inne. Schriftsteller wie James Joyce und Hemingway und der Maler Picasso werden von diesem Zirkel angezogen und nachhaltig beeinflußt. Zusammen tragen sie erheblich zur Moderne bei, wenn sie sie nicht gar gestalten und vorwärts bringen. Paris was a Woman zeigt hier sehr deutlich, welche wesentliche Rolle dabei die Frauen hatten. James Joyce hätte wohl nie Ulysses veröffentlichen können, wenn er nicht die uneingeschränkte Unterstützung von Sylvia Beach gehabt hätte. Leider hat er ihr das nie gedankt, sondern sie ihrem durch Ulysses verursachten Bankrott überlassen und die Rechte an Random House verkauft, ohne Beach auch nur einen Sou zu geben. Picasso und Gertrude Stein standen in sehr engem Kontakt. Sie beeinflußten ihre Arbeit sehr gegenseitig.

Paris was a Woman zeigt aber nicht nur die künstlerische Arbeit der Frauen, sondern vermittelt auch eindrucksvoll ihr Zusammenleben. Und natürlich besteht zwischen beiden eine enge Verbindung. So ist Gertrude Steins Lebensgefährtin Alice B. Toklas gleichzeitig ihre Lektorin und Djuna Barnes Nachtschattengewächs hat als Ausgangspunkt eine Beziehung, die Barnes selbst erlebt hat.

Der Regiesseurin Greta Schiller ist mit Paris was a Woman wie auch bei den Filmen Before Stonewall und Sweethearts of Rhythm ein objektiver und schöner Dokumentarfilm gelungen, der die 1920er, das Leben der Frauen in Paris und den Mythos, der sie umgibt, eindrücklich wiedergibt.

Paris was a Woman ist auch als Buch von Andrea Weiss unter dem deutschen Titel Paris war eine Frau - Die Frauen von der Left Bank erschienen.

Großbritannien, 1995, 75 min.
Regie: Greta Schiller
Drehbuch: Andrea Weiss
Produktion: Frances Berrigan, Greta Schiller, Andrea Weiss, Björn Koll
Verleih: Edition Salzgeber
Video, DVD
Erzählerin: Juliet Stevenson.

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