|
Waiting for the Moon
|
|||||||
![]() |
Mit Filmen, die auf historischen Figuren aufbauen und so genau hinsehen wie Waiting for the Moon, sollte man jedoch immer vorsichtig sein. Nicht alles für bare Münze nehmen, was gezeigt wird! Ein solcher Film muß sich unweigerlich zwischen Fakten und Fiktion bewegen, weil weder Regiesseurin noch Drehbuchautor damals mit dabei waren. Selbst wenn Alice B. Toklas oder Gertrude Stein den Film gedreht hätten, wüßte man aufgrund der verschönernden Natur der Erinnerungen nie genau, ob auch wirklich alles so passiert ist, wie es erzählt wird. Was ist schon wirklich? Nehmen wir also den Film wie er ist und genießen ihn so wie dieses berühmte lesbische Paar das Leben genossen hat.
Und sie leben in der Tat die Leichtigkeit des Seins. Eine wunderschöne Episode dazu ist eine Fahrt aufs Land, bei der Gertrude Stein mit gewohnter Gelassenheit und Souveränität ihr herrliches verdeckloses Auto (Priscilla) lenkt und Alice B. Toklas nebenbei Steins Schriften liest und kommentiert. Der teilweise ironische Witz und der Lebensgenuß ist beiden ins Gesicht geschrieben - wobei Getrude Stein mehr das Genießen und Alice B. Toklas mehr die sarkastischen aber dennoch bodenständigen Ansichten vertritt. Zwischendurch wird Pause mit Picknick und Lagerfeuer gemacht, ein Anhalter mitgenommen und Freunde abgeholt. Alles in allem eine lustige Gesellschaft, in der Literatur, zeitgenössisches Denken und ein gutes Lebensgefühl dicht beieinander stehen.
![]() |
Alice B. Toklas wird so wie sie auch in Wirklichkeit war, ganz und gar nicht als Steins Schatten dargestellt, sondern als eine gleichberechtigte, kritische und selbständige Partnerin, die ihrer Lebensgefährtin eine wichtige Stütze und auch konstruktive Kritikerin ihres Werkes ist. Diese Darstellung trägt Toklas endlich Rechnung, was andere Darstellungen viel zu lange vernachlässigt haben. Man fragt sich zwischendurch unweigerlich, ob Gertrude Stein ohne Alice B. Toklas je so produktiv sein hätte können. Man bekommt immer wieder den Eindruck der Realitätsferne von Gertrude Stein, die von Alice B. Toklas jedesmal wieder auf den Boden der Tatsachen zurück geholt wird. Es scheint als gäbe diese Beziehung ihr die nötige Basis, von der aus sie operieren kann. Es ist jedoch keine durch und durch harmonische Beziehung, wie es die Gleichförmigkeit des Films teilweise nahelegt. Auseinandersetzungen und Meinungsverschiedenheiten kommen deutlich zum Ausdruck. Leider gehen sie immer wieder in der Monotonie der Darstellung unter. Wenn das Leben der beiden tatsächlich so langweilig ist, wie es dargestellt wird, wollte ich es nicht unbedingt teilen. Die einzige Würze in diesem Leben erscheint mir Alice B. Toklas' Humor. Sie ist die eigentliche Hauptfigur. Die Darstellung ist größtenteils sehr gemütlich bis langweilig, zeitweise charmant witzig. Ein Müdigkeitsbekämpfer ist der Film leider nicht. Man schwebt mehr wie in Trance.
Anzumerken ist noch, daß es keine wirklich lesbische Szene gibt. An ihrem Verhalten sieht man aber klar, daß die beiden ein Paar sind. Die Regiesseurin hat nach eigenen Aussagen bewußt auf eine Bettszene verzichtet und andere Ausdrucksmittel gewählt. [1] Und sonderlich störend empfinde ich dies nicht. Im Gegenteil ist es zur Abwechslung wirklich angenehm eine solch harmonische und vorurteilsfreie Darstellung auch mal ohne die in neuen Filmen fast schon notorisch obligatorische Bettszene zu sehen.
USA, 1087, 88 min.
Regie: Jill Godmilow
Drehbuch: Mark Magill
Produktion: New Front Films, A.B., Lab for Icon & Idiom,
SFB, ARD, Channel 4, American Playhouse, Skouras
Video, VHS-ntsc
Mit Linda Hunt (Alice B. Toklas), Linda Basset
(Gertrde Stein), Bernadette Lafont, Andrew McCarthy.
© 2002, sämtliche Rechte vorbehalten, -email entfernt-.
| Evas Buch-
& Filmecke Bücher |