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Gaudi Afternoon


Filmplakat 

Eine absolut schräge Komödie, die voller Überraschungen und verdrehter Familienverhältnisse steckt. Gaudi Afternoon ahmt den heterosexuellen Blick (durch die Augen der heterosexuellen Cassandra) auf das Phänomen Familie nach und läßt einen mit den damit einhergehenden Heteronormen voll vor die Wand laufen. Nichts ist so wie es Cassandra erwartet.

Cassandra ist eine amerikanische Weltenbummlerin, deren Zuhause dort ist, wo sie ihren Laptop einstöpselt. Und gerade ist dies Barcelona. Sie verdient ihr Geld mehr recht als schlecht mit dem Übersetzen von Büchern. Eines Tages taucht die in rot gehüllte Frankie auf und bittet Cassandra, ihren Mann zu finden. Doch der gesuchte Ehemann Ben stellt sich als Butch heraus, die vorgebliche Ehefrau Frankie ist eine Transidente vor der OP (die eigentliche Frau im ganzen Film, jedoch mit schwulen Zügen in der Gestik und gelegentlichen Hyperhondrie). Ben lebt in einer lesbischen Beziehung mit der esoterisch ausgetickten April, und Delilah ist das biologische Kind des Ehepaars Ben und Frankie. Kompliziert? Es geht noch weiter: Ben, April und Delilah leben bei dem reichen Hamilton, der eine faszinierende Homobar besitzt, dort selbst auf der Bühne auftritt und die drei Frauen durchfüttert. Nun, vielleicht sollte man Gaudi Afternoon einmal Frau Merkel (ja, jene mit der bezaubernden Frisur) vorführen und sie erneut fragen: Wer ist Familie?

Cassandra und Frankie

Manchmal sollten sich dies allerdings auch Ben und Frankie fragen, die sich um ihre kleine Tochter streiten. Mal entführt sie die eine, mal die andere. Dieses ganze Heckmeck, in das Cassandra mitten hinein gewirbelt wird, und das Buch, das sie übersetzt und von einer Mutter Tochter Beziehung handelt, veranlassen Cassandra schließlich dazu, nach Jahren der Stille wieder den Kontakt zu ihrer Mutter herzustellen. Ein Film also nicht nur über Familien im allgemeinen, sondern auch über Mutter Tochter Beziehungen im speziellen.

Filmplakat

Alles in allem ist Gaudi Afternoon ein fetziger Film voller skuriller Ereignisse. Man hat viel zu lachen. Allerdings werden die Schubladenklischees zu sehr aufgezogen und es wird oft zu viel geredet und Ben brüllt oft sinnlos rum. Ein bißchen weniger hätte es auch getan.

Antonio Gaudi war übrigens ein spanischer Architekt, der in Barcelona viele Gebäude in einer selbst entwickelten Variante des Jugendstils baute. Ben, April, Delilah und Hamilton wohnen in einem seiner Gebäude, dem prunkvollen La Pedrera.

Spanien, 2001, 88 min.
Originaltitel: Tardes de Gaudi
Regie: Susan Seidelman
Drehbuch: James Myhre, Joaquin Oristrell nach dem gleichnamigen Roman von Barbara Wilson
Produktion: André Vicente Gómez
Verleih: Kinowelt
Mit Judy Davis (Cassandra Reilly), Marcia Gay Harden (Frankie Stevens), Lili Taylor (Ben Harris), Juliette Lewis (April Schauer), Victor Alvaro (Juan), Maria Barranco (Carmen), Christopher Bowen (Hamilton Kincaid), Courtnes Jines (Delilah Stevens), Pep Molina (Paco).

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