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Female Perversions

 
Titelbild 

Pervers? - Naja, das ist wohl eher ein irreführender Titel, da jeder erst einmal an sexuelle Perversionen denkt. Aber weit gefehlt. Gemeint ist eigentlich in welcher Weise sich die Karrierefrau Eve Stevens stylt und gibt, um sich in der beruflich von Männern dominierten Welt besser durchzusetzen. Bezeichnenderweise beginnt der Film mit einer Gerichtsverhandlung (Eve ist Staatsanwältin), in der fast ausschließlich Detailaufnahmen von Eves Mund, ihren Rundungen und ihren langen Beinen vorherrschen. Zunächst interpretiert man das zwar als den Blickwinkel eines Mannes, der von der Frau vor ihm hingerissen, ihre Worte nicht mehr hört. Doch als Eve die Gerichtsverhandlung im Fernsehen sieht und besonders auf ihre Bewegungen achtet, wird einem klar, daß diese Einstellungen wiedergaben, wie sie sich selbst beobachtet und versucht zu kontrollieren. Entsprechend gut organisiert sie ihr Auftreten auch in anderen Lebensbereichen. Die Beziehung zu ihrem Freund John ist ebenso bis ins kleinste Detail geplant und von ihr dominiert. Ihre Leidenschaft in der Liebe entpuppt sich eher als Leidenschaft, den anderen zu kontrollieren. So wirkt sie auch in ihrer Beziehung eher gefühlskalt. Dies ändert sich auch nicht, als sie die Psychaterin Renée kennen lernt. Diese beendet die Beziehung ziemlich schnell wieder, weil ihr diese Art der Leidenschaft ungeheuerlich vorkommt. Eve nimmt diese Offenbarung indes entgegen, als ob jemand einen geschäftlichen Vertrag gekündigt hätte (siehe Bild). Der erfolgreichen Staatsanwältin, die bisher immer alles bekam, das sie sich vornahm - ihren Richterposten, John und auch Renée - entgleitet zunehmend die Kontrolle über andere und auch über sich selbst. Zudem verfolgen sie immer häufiger erotische Alpträme und Fragmente aus ihrer Kindheit, die vermutlich Überreste eines Kindheitstraumas sind, das sie nie richtig überwinden konnte.

Als Zuschauer erhalten wir jedoch auch nicht mehr Informationen, als die Bilder, die Eve quälen. Da sie und auch ihre Schwester die Kindheitserlebnisse recht tief in sich vergraben haben, ist es nicht ganz einfach, daraus einen Sinn zu basteln. Die Interpretation bleibt fast vollständig der Zuschauerin überlassen. Als Eve ein paar Tage in der Wohnung ihrer Schwester Madelyn verbringt, da diese das Wochenende wegen Diebstahls im Gefängnis einsitzen muß und Eve versucht, sie dort herauszuholen, lernt sie ein kleines Mädchen kennen, das im gleichen Haus lebt. Diese ist ihr anfangs eher unsympathisch, scheint gegen Schluß jedoch indirekt einen Lösungsansatz für Eves Probleme zu liefern. Doch auch hier ist die Zuschauerin mit ihrer ganzen Interpretationskunst alleine gelassen: Eve beobachtet das kleine Mädchen, wie es sich selbst Wunden zufügt, woraufhin Eve sich in einem dramatischen Moment der Krise eine Wunde an der Brust zufügt. In derselben Nacht ändert sich Eves wiederkehrender Alptraum, in dem sie von einem dicken Seil gefesselt immer heftig eingeschnürt wird von einer Figur, die wie der König eines Schachspiels aussieht. In dieser Nacht durchschneidet das kleine Mädchen das Seil mit einer Rasierklinge, demselben Werkzeug, mit dem sich Eve am Abend zuvor schnitt. Eve ist vollkommen verunsichert, was diese plötzliche Veränderung bewirken könnte und vertraut ihrer Schwester an, daß sie Angst hat. Am nächsten Morgen, noch bevor die Sonne aufgeht, will Eve wieder in ihr bisheriges Leben fliehen, beobachtet jedoch wie das Mädchen mit einer Laterne in die Steppe hinausgeht und dort an einer von ihr errichteten Kultstätte Haare von sich vergräbt für jedes verloren gegangenes Baby, das sie seit Beginn ihrer Tage nicht bekam.

Der Film endet hier nachdem das Mädchen weglief und Eve sie verfolgt, bis sie die Kleine in ihre Arme nehmen kann. Es ist ein halboffener Schluß, der viele Interpretationsmöglichkeiten offen l;ßt. Eve scheint einen Ansatz zur (Los)-Lösung von ihren Problemen gefunden zu haben. Ob sie es vollständig schaffen wird, wissen wir nicht. Der Film läßt uns in Gedanken zurück. Jede wird die verschiedenen Puzzlestücke wohl anders zusammen setzen. Was haben zum Beispiel die beiden Schachfiguren in Eves Trämen genau zu sagen? Oder ihre Selbstverstümmelung?

USA, 1996, 105 min.
Regie: Susan Streitfeld
Drehbuch: Julie Hebert nach dem Roman von Louise J. Kaplan
Produktion: Trans Atlantic Entertainment
Verleih: Kinowelt
Video, VHS-pal
Mit Tilda Swinton (Eve Stephans), Amy Madigan
(Madelyn), Karen Sillas (Renée).

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