Evas Buch- & Filmecke

BücherFilme


Filme

Boys Don't Cry


 Titelbild 
Schockierend - einfach nur schockierend. "Boys Don't Cry" ist der erste Film, bei dem ich noch nach dem Abspann fassungslos in den Sitz gepresst saß und mich nicht regen konnte. "Irre Dramaturgie", ist man versucht zu sagen und dann wird einem das Unglaubliche bewußt: dieser Film erzählt eine wahre Begebenheit. Mit steifen Beinen und starrem Blick sind wir aus dem Kino gegangen und Gedanken wie Gay Pride waren komplett vergessen. Bloß nicht zeigen, daß wir nicht hetero sind. Die homophobe Gewalt lauert überall. Und dann sitzt man in diesem Gay Club auch noch wie im Schaufenster... Nein, wir sollten uns nicht ins Boxhorn jagen lassen, sondern durch solche Filme unsere Sinne schärfen und mit einer jetzt-erst-recht Einstellung der Homophobie entgegen treten. Wievielen Leuten dieser gedankliche Umschwung nach "Boys Don't Cry" wohl gelingt?

Teena Brandon ist eine junge Transsexuelle (Frau zu Mann), die noch vor ihrer Geschlechtsumwandlung steht. Sie läßt sich von einem Freund die Haare kurz schneiden, stopft sich Taschentücher in die Hose und trägt einen künstlichen Penis, um wie ein Junge auszusehen. Da sie bereits vorbestraft ist, die Polizei sie u.a. wegen Autodiebstahl einsperren will und sie in ihrem Heimatort (in the middle of nowhere, somewhere in the US) ständig mit Homophobie konfrontiert wird, beschließt sie in einem anderen Ort ein neues Leben anzufangen. Dort gibt sie sich als Brandon aus und verfällt sofort in männliche Klischees, mit denen sich die Jungs dort ausgiebig beschäftigen: jede Menge Bier saufen, rauchen, Mutproben auf einem Laster, machoartige Angeberei usw. Brandon genießt das neue Leben und er verliebt sich auch bald in die für meinen Geschmack ziemlich unattraktive Lana, die ihr Leben in dieser Einöde sichtlich langweilt, durch den aufbrausenden Brandon aber zu neuem Leben erwacht. Die beiden verbringen einige glückliche Wochen, Brandon wird in Lanas Familie aufgenommen, doch das Schicksal nimmt seinen Lauf. In Brandons Sachen wird ein Heft über Transsexuelle gefunden und zudem wird sein richtiger Name Teena Brandon im Zusammenhang mit einem Autodiebstahl in der örtlichen Zeitung erwähnt. Lanas selbsternannter Beschützer John rastet fast aus. Er stellt Brandon vor der ganzen Familie zur Rede und reißt ihm schließlich die Hose herunter, um festzustellen, ob er nun Frau oder Mann ist. Lana nimmt Brandon sofort in Schutz. Ihr scheint es egal zu sein, welches biologische Geschlecht er hat und benützt auch nach diesem Vorfall weiterhin männliche Personalpronomen und nennt ihn nicht Teena, sondern Brandon. Sie wirft John und seinen Freund aus dem Haus. Doch diese warten auf Brandon und vergewaltigen diese schließlich aufs Übelste. Der Film ist hier schonungslos in seiner Darstellung und auch die Schauspieler erbringen eine hervorragende Leistung in der Darstellung der emotionalen Folgen, die die Vergewaltigung auf Brandon, aber auch auf ihre Vergewaltiger hat. Brandon zeigt diese trotz massiver Drohungen an, sucht bei einer Freundin Unterschlupf und wartet auf Lana, die mit ihm nach Memphis fliehen will. Als Zuschauer erliegt man an dieser Stelle der Illusion, daß nun alles vorbei ist. Doch weit gefehlt. John zerrt Lana mit sich und erschießt in einem regelrechten Showdown vor ihren Augen Brandon und die Freundin, die ihm Unterschlupf gewährte.

Gestalterisch ist "Boys Don't Cry" zwar nicht überragend, aber das spielt in diesem Fall auch keine Rolle, da die Geschichte so packend ist, daß man auf den Rest so gut wie nicht achtet. Schauspielerisch muß allerdings unbedingt Hilary Swank erwähnt werden, die für ihre Hauptrolle als Brandon zu recht einen Oscar bekam.

USA, 1999, 118 min.
Regie: Kimberley Oeirce
Drehbuch: Andy Folland
Produktion: Killer Films / Teh Independent Film
Verleih: Fox Searchlight Pictures
Video, VHS-pal, ntsc
Mit Hilary Swank (Brandon Teena), Chloe Sevigny (Lana),
Peter Sarsgaard, Brendan Sexton.

© 2000, sämtliche Rechte vorbehalten, -email entfernt-.

Evas Buch- & Filmecke

BücherFilme