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Butterfly Kiss
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Keine Kommentare, nichts, im ganzen Film. Nicht von Miriam, nicht von Eunice. Und auch nicht von den Ärzten, denen Miriam scheinbar die Geschichte erzählt. Man möchte nach dem ersten Mord und dem Nichtkommentar von Miriam ausschalten. Aber der Film zieht einen weiter. Genauso unbegreiflich und mit unsichtbarer Hand wie Miriam von Eunice in ihren Bann gezogen wird und ihr willenlos folgt. (Beide werden im Übrigen hervorragend gespielt.) Unbegreiflich? Seltsam. Sie liebt Eunice, folgt ihrem Bann und widerspricht nicht wirklich. Ihre Anschuldigungen versanden und Eunice muß diese gegen sich selbst übernehmen. Eunice, die das alles macht, weil sie es nicht fassen kann, daß Gott sie nicht beachtet und sie einfach alles machen läßt und ihr nicht einmal Beachtung schenkt, wenn sie Menschen umbringt, egal, ob diese es verdient haben oder nicht. Also muß sie sich selbst bestrafen und sich in Ketten legen, die sie fortwährend unter der Bluse trägt.
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Butterlfy Kiss - ein Film über die gegenseitige Faszination, über die gegenseitige Beeinflussung. Eunice macht Miriam zur Mörderin, zu einem Teil von sich. "Bevor Du einen besseren Menschen aus mir machst, mache ich einen schlechten aus dir." Wie kann so etwas passieren? Butterfly Kiss ist auch ein Film über die Religion und was passieren kann, wenn man ihr zu eng folgt, oder gar Fanatismus daraus wird wie in Eunices Fall, die immer eine Bibelstelle parat hat und fasziniert davon spricht nachdem oder bevor sie diese ebenso gewalttätig in der heutigen Welt umsetzt. Miriam dagegen sieht nur die Bibelstellen, die aus einem schlechten Menschen einen guten machen und will Eunice zu einem ebensolchen machen. Mit dieser Überzeugung und der blinden Liebe, die sie für Eunice empfindet, läuft sie wie benebelt durch die Welt. Sie folgt Eunice überall hin, nimmt ihre Morde einfach hin, sagt ihr, daß sie ihr helfen will, einen besseren Menschen aus ihr zu machen, hilft ihr bei der Leichenentsorgung, nur um ihrem einen Ziel zu folgen. Und vielleicht auch, weil Eunice sie aus ihrem öden Alltag bei Muttern und im Job an der Tankstelle holt, ihr die Faszination des Lebens gibt.
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Als Miriam am Schluß Eunice umbringt, verschmelzen ihre beiden Ziele. Eunice sieht sich als Opfer, das vor Gott dargebracht wird, wodurch ihre Sünden weggewaschen werden. Miriam hat aus Eunice schließlich einen guten Menschen gemacht, auch wenn sie dafür den Menschen, den sie liebt, opfern muß. Es ist ein schauerlicher und doch faszinierter und zugleich verwirrter Anblick, wie Miriam im Wasser sitzend um die tote Eunice weint, die sie voller Schmerz an sich presst.
Wer hinter Butterfyl Kiss einen Film in der Reihe mordender Lesben vermutet, schiebt ihn im Übrigen in die falsche Schublade. Die meisten dieser Filme stellen die Lesben als femme fatale dar, die Männer bis zum Tod verführt. Lesben kommen dabei durchweg schlecht weg, damit ja keine auf die Idee kommt, sie wolle auch eine von denen sein. Butterfly Kiss geht aber weiter. Er bedient nicht einfach ein Filmklischee: "we are faced with a grave study of the search for emotional and spiritual satisfacion in a grey and unforgiven landscape. How far would you go to prove your love for someone? Butterfly Kiss provides a frightening answer."[1] Faszinierend und schockierend zugleich.
[1] "Wir werden mit einer tiefgründigen Studie konfrontiert über die Suche nach emotionaler und spiritueller Befriedigung in einer grauen und gnadenlosen Umwelt. Wie weit würdest Du gehen, um jemendem deine Liebe zu beweisen? Butterfly Kiss gibt darauf eine beängstigende Antwort."
(Eigene Übersetzung), Alison Darren. Lesbian Film Guide. London: Cassell, 2000, Seite 38.Großbritannien, 1994, 88 min.
Originaltitel: Butterfly Kiss
Regie: Michael Winterbottom
Drehbuch: Frank Cottrell Boyce
Produktion: Dan Film Production
Verleih: Kinowelt
Mit Amanda Plummer (Eunice), Saskia Reeves (Miriam), Paul Brown, Freda Dowie.
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