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Raus aus Åmål

Schon wieder ein Coming Out Film? Gibt es davon nicht schon genügend? Ja, aber
nicht aus Schweden. Frei von jeglichen - tausendmal gesehenen - Hollywood Klitschen bietet Raus aus Åmål eine
amüsante Geschichte von zwei Mädchen, die zusammen überraschend und ziemlich ungewollt ihr Coming Out an ihrer Schule
haben.
Agnes ist ein 16 jähriges Mädchen, das erst vor zwei Jahren mit ihren Eltern und ihrem kleinen Bruder nach
Åmål gezogen ist und keine Freunde hat. Jeder macht sich in der Schule über sie lustig. Sie verzweifelt vollends, als
niemand zu ihrer Geburtstagsparty erscheint, die ihre Mutter gegen ihren Willen organisiert hat. Agnes verliebt sich auch noch ausgerechnet
in Ellin, einer hübschen Blondine, der alle Jungs hinterher rennen, denen Ellin nur ungern ein nein entgegnet. Im Gegensatz zu der
stillen, zurückgezogenen und Kunst liebenden Agnes, die einmal Schriftstellerin werden möchte, ist Ellin nur auf Spaß aus,
besäuft sich gerne auf Partys, durchsucht den heimischen Arzneimittelschrank nach Tabletten, mit denen sie sich volldröhnen
könnte, ist also kurz gesagt so ziemlich das Gegenteil von Agnes. Aber die Liebe nimmt ihren Lauf. Ellin, auf der Suche nach etwas
Neuem, überredet ihre Schwester, zu Agnes' Party zu gehen - unwissend, daß niemand sonst dort sein wird. Die beiden stöbern
in Agnes' Zimmer und finden heraus, daß diese lesbisch ist. Ellin wettet daraufhin mit ihrer Schwester, daß sie sich traut,
Agnes zu küssen. Doch nach gewonnener Wette und Flucht aus Agnes' Zimmer beginnen sich Ellins Gefühle zu wandeln. Sie verliebt
sich in Agnes und kann dies nicht zugeben. Als Schutz nach außen geht sie sogar eine Beziehung mit Johann ein, den sie noch nie toll
fand. Nach langen inneren Kämpfen wird ihr jedoch klar, daß sie ihre Gefühle zu Agnes nicht trügen. Als sie Agnes auf
einem Gang in der Schule trifft, zieht sie diese in eine Toilette hinein, um ihr ihre Liebe zu gestehen. Während die beiden noch
diskutieren, weil sich Agnes sicher sein will, daß Ellin nicht wieder nur eine Wette gewinnen will, versammelt sich vor der Tür
die halbe Klassenstufe, die vermutet, daß Ellin mit einem Jungen zusammen ist. Schließlich bleibt den beiden Mädchen
nichts anderes übrig als vor aller Augen Hand in Hand aus der Toilette heraus zu kommen. - Eine hervorragende Schlußszene, die
die außerordentlich gute Studie Ellins, wie sie damit kämpft, vor sich selbst zuzugeben, in ein Mädchen verliebt zu sein,
zu einem gekonnten Höhepunkt bringt.
Allerdings irritiert die hektische Kameraführung zu Beginn des Films, welche wohl die Verwirrtheit von Agnes
symbolisieren soll, mehr als sie zum Film beiträgt. Raus aus Åmål reicht auch an vielen Stellen nicht an die
Qualität vergleichbarer französischer Filme heran. Und leider erfüllt Raus aus Åmål nicht die
Erwartungen, mit denen frau in diesen Film geht. Er hört erzählerisch gesehen zwar an einem Höhepunkt auf, aber gerade an
dieser Stelle könnte und sollte die Geschichte weiter gehen. Die Zuschauerin geht so zwar belustigt ob des mutigen Outings und
glücklich ob des Happy Ends für Agnes und Ellin aus dem Kino, wird aber so in der Luft hängen gelassen, daß sie
unweigerlich den Drang verspürt, selbst die Geschichte zu Ende erzählen zu müssen und das bisherige Happy End zu einer
wunderschönen Love Story auszubauen - schließlich wurden unsere Hoffnungen in diese Richtung schon den ganzen Film lang
geschürt. Oder bekommen die beiden jetzt erst richtig Ärger mit ihren SchulkameradInnen und den Eltern?
Schweden, 1998, 89 min.
Originaltitel: Fucking Åmål
Regie / Drehbuch: Lukas Moodysson
Mit Alexandra Dahlström, Rebecka Liljeberg, Mathias Rust und Erica Carlson.
© 2000, sämtliche Rechte vorbehalten, -email entfernt-.
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