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Daniela John.
Ein Kaffe für zwei.


Titelbild 
Wenn frau sich die Kritiken zu Ein Kaffe für zwei ansieht, stellt frau fest, daß die überwiegende Mehrzahl negativ ist. Aber wenn man sich einen elles Roman aussucht, darf man nicht erwarten, daß dieser hohe Literatur bietet. Im Gegenteil. Sie bieten allerdings eine nette Unterhaltung für zwischendurch mit einem Schuß Erotik. Viele elles Romane kann man in den Bereich Schund- und Trivialliteratur einordnen, die manchmal den Bastei Lübbe Heftchen vom Kiosk erschreckend ähnlich sind. So ist auch Ein Kaffee für zwei leichte Literatur zum blubbernden Dahinträumen. Nicht zu hoch, nicht zu seicht, einfach nur leicht fällt mir da als Werbeslogan ein.

Jo erzählt ihre Geschichte rückblickend, wohl um das Ganze besser verarbeiten zu können. In ihrer Zeit als Jurastudentin verliebt sie sich in ihre Dozentin Gabi, die auch Richterin ist. Jos WG-Mitbewohnerin riecht den Braten sofort und spielt ein wenig Kupplerin. Da kommt es gerade recht, daß deren chaotische Clique einen Zelturlaub am Bodensee plant. Und wie zufällig wird Gabi in eines der Gespräche darüber eingebunden. Die Euphorie der Mädels und die Idee, an dem Urlaub teilzunehmen, reißt sie schließlich mit und Jo ist überglücklich. Denkt und fühlt Gabi wie sie? Und dann erhält Jo vor dem Urlaub auch noch die Gelegenheit, eine Woche bei Gabi zu wohnen, um ihr bei der Korrektur von Klausuren zu helfen, ohne die Gabi keine Zeit hätte in den Urlaub zu fahren. In dieser Woche passiert zwar noch nichts, doch die sich deutlich abzeichnende Anbahnung zwischen den beiden prickelt geradezu auf der Haut. Sie ist spielerisch und romantisch und findet ihre Vollendung beim Zelturlaub. Wie zufällig schlafen ausgerechnet Jo und Gabi in einem Zelt, was natürlich auf den Rest der Mädels zurückzuführen ist. Jo und Gabi glauben zwar, ihre Beziehung vor ihnen verheimlichen zu können (denn Gabi hat Angst um ihre Karriere, sollte herauskommen, daß sie auf Frauen steht und ausgerechnet mit einer ihrer Studentinnen zusammen ist), doch die Mädels sind nunmal nicht dumm. Und so wird der Urlaub sehr witzig.

Zu Hause angekommen dauert es nicht lange bis Jo bei Gabi einzieht und die Geheimniskrämerei endlich ein Ende hat. Und wie es so ist - sobald man zusammenzieht tauchen die ersten Probleme auf. Das heftigste Problem, das auf die beiden zukommt, ist Gabis Exfreundin, die weiterhin versucht, Macht über Gabi auszuüben. Und die zuvor so starke Richterin wird plötzlich zu einer hörigen Frau, die nicht weiß wie sie sich aus der Situation befreien soll. Jos Machtwort beendet dies seltsamerweise sehr schnell - für mich zu schnell, denn Hörigkeit beendet man nicht eben mal so. Da steckt schon mehr dahinter als uns die Autorin glauben läßt. Die folgende glückliche Zeit hält jedoch auch wieder nicht lange, da der Beruf beide in je andere Städte verschlägt. Und so verläuft die Beziehung eine Zeit lang im Sand. Als sich die beiden jedoch nach langer Zeit wieder begegnen, flammt die alte Liebe weider auf. Bemerkenswert ist, daß die beiden nach dieser langen Funkstille intensiv miteinander reden und gemeinsam beschließen, die Umstände, die zu dem Beziehungsleerlauf geführt haben, gemeinsam zu beseitigen und dort anzuknüpfen, wo sie vor ihrer räumlichen Trennung aufgehört hatten. Nicht zu unrecht kommentiert Jo, daß es so etwas zu selten gibt, daß Paare oftmals zu schnell aufgeben und getrennte Wege gehen. Ein Appell an die Kommunikation! So leben Jo und Gabi eine wunderschöne Beziehung, die auch Probleme übersteht. Einen solchen Traum, eine so schöne Beziehung am Ende des Romans durch Gabis Krebstod zu zerstören ist dann auch ein Jammer. Ohne ihn hätte ich das Buch wohl einfach verträumt und glücklich beendet. Doch so habe ich es sehr schwermütig aus der Hand gelegt und trauer manchmal mit Jo, wenn ich an die beiden denke. Von diesem Aspekt her könnte man Ein Kaffee für zwei als Bilder von ihr light bezeichnen. Beide Romane blicken auf eine wunderbare Beziehung zurück, die durch den Tod jäh beendet wird. Allerdings besteht zwischen den beiden Romanen ein erheblicher Unterschied im Niveau.

Ein Kaffee für zwei behandelt aber noch wesentlich mehr Themen und will damit ein bißchen viel auf einmal: das Problem des Outings im Beruf, Entscheidungskonflikte zwischen Liebe und Karriere, Probleme mit der Exfreundin, Hörigkeit, die bis über eine Beziehung hinaus geht, Entfremdung und schließlich Tod. Ein leichter Roman wie Ein Kaffee für zwei hebt sich dabei schon mal einen Bruch und scheitert unweigerlich an der Fülle der Themen bei der Oberflächlichkeit, die die Autorin dazu ansetzt. Was in Erinnerung bleibt ist daher auch nur die Romantik und Träumerei, die man beim Lesen empfunden hat. Und dafür lohnt es sich auch den Roman zu lesen.

John, Daniela. Ein Kaffee für zwei. Tübingen: elles, 2001. ISBN 3-88769-603-4. 178 Seiten.

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