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Corinna Waffender.
Zwischen den Zeilen.

Wer nur einen Roman für Zwischendurch sucht, ist hier sicherlich falsch. Wer aber einen Roman mit Anspruch sucht, der auf hohem literarischen Niveau geschrieben ist, ist hier genau richtig. Zwischen den Zeilen ist ein exzellenter Roman, der auch vieles zum Nachdenken enthält. Also Mädels, nicht zu schnell lesen. Es lohnt sich, etwas Zeit mitzubringen. Zwischen den Zeilen ist zwar kein Buch zum eben mal konsummieren, aber auch ein Buch zum Genießen und in sich Aufsaugen.
Die Erzählung ist eine Geschichte von Nähe und Ferne, die Angst vor und doch die Sehnsucht nach Nähe, dann keimt wieder der intuitive Drang nach Ferne auf, der erstaunt ist, daß dem eigenen Körper die Nähe gefällt und manchmal nur aus Gewohnheit Macht erhält. Aber es ist nicht nur die Gewohnheit, sondern vor allem auch die Vergangenheit mit ihren Erfahrungen, die so tiefe Narben in die Seele beider Protagonistinnen geschrieben haben, daß fast keine Nähe mehr möglich ist. Maria und Bea kämpfen beide mit diesen Prägungen, die ihr Leben erhalten hat, bevor sie sich treffen. Doch ihre nach außen aufgebaute Härte und Unberührbarkeit gerät ins Wanken von dem Augenblick an, in dem sie sich zu unterhalten beginnen. Es ist Faszination vom ersten Augenblick an. Sie merken beide, daß ihr bisheriges Verhalten nur Schutzschilder für ein fühlendes Ich sind und beginnen eine lange Reise zur Fähigkeit, wieder lieben und leben zu können.
Maria beginnt ihre Reise mit dem Zug nach Barcelona, um katalanische Schriftstellerinnen für eine Forschungsarbeit zu interviewen. Doch genauer betrachtet ist dies nur ein Vorwand, um die Orte wieder zu besuchen, an denen sie ihre Zeit mit Teresa verbracht hat. Überall wird Maria an Teresa erinnert. Die Gedanken an sie begleiten sie unaufhörlich. Und wenn sie sich mit ihr imaginär unterhält oder vergangene Unterhaltungen herauf beschwört, ist es als ob Teresa immer noch da ist. Und doch weht ein einsamer Wind um Maria. Sie tut alles, um Teresa zu vergessen, aber es gelingt ihr nie ganz. Auch nicht, als sie die Schriftstellerin Bea kennen lernt und von ihr mehr und mehr fasziniert ist.
Bea hat bisher heterosexuell gelebt, oder besser gesagt auf neutralem Boden mit gelegentlichen mißglückten Ausflügen in die Heteroliebe, die sie schließlich sein läßt und alleine lebt. Seit ihrer Brustoperation, die sie mit nur einer Brust zurück läßt, verwehrt sie sich jeglicher Nähe. Sie ist hart zu sich selbst, läßt keine Gefühle zu und baut sich ebenso wie Maria eine eigene Welt auf. Maria lebt in und durch ihre Tagträume, Bea ein abgeschottetes Leben, das sie sich mit dem Reichtum ihrer Mutter mühelos finanzieren kann. Beide fühlen sich in diesen Welten zu Hause. Mehr noch, es scheint ihnen in diesen Welten ganz und gar besser zu gefallen als im Hier und Jetzt. Als sie sich treffen wird jedoch alles anders. Maria und Bea haben sich der realen Welt und der Libe bisher zwar erfolgreich verschlossen, doch ihre Bindung wächst wider ihren Erwartungen rasant, ohne daß sie fähig sind, sie aufzuhalten. Und auf der Flucht voreinander treiben sie doch unaufhaltbar aufeinander zu.
Auf dem Weg zueinander finden beide auch mehr zu sich selbst. Maria findet durch das Schreiben wieder zum Leben, läßt es auf dem Papier aus sich heraus brechen. Zwischen den Zeilen erweist sich im Übrigen nicht nur hier als ein Buch über das Schreiben - nicht zwingend über das Leben von Schriftstellerinnen, sondern über das Schreiben an sich. Wie das Schriftsteller so oft in ihrem Debütroman tun, reflektiert also auf Corinna Waffender hier das Schriftstellerdasein. Fast schon ein Klischee, das Waffender hier bedient, aber es bleibt das Einzige. Waffenders Sprache ist außergewöhnlich und wunderbar gewandt. In ihrem literarischen Stil gibt es zum Beispiel viele Vergleiche, die so nicht in anderen Romanen zu finden sind. Manchmal gibt es jedoch den einen oder anderen Vergleich, dem man es gleich ansieht, daß er außergewöhnlich sein will, aber leider nicht ganz greift. In diesen Fällen wäre weniger mehr gewesen. Dieses eher kleine Manko tritt in dem Roman allerdings selten auf und man verzeiht es ihm gerne, kommt man doch in den Genuß einer wunderbaren Sprache und einer schönen Geschichte.
Waffender, Corrina. Zwischen den Zeilen. Berlin: Querverlag, 2002. ISBN 3-89656-079-4. 205 Seiten.
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