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Patricia Grossmann.
Wunschtochter.


Titelbild 
"Unsere biologischen Uhren ticken komisch, nicht? Atmen heißt, sich zu verändern; eigentlich kann man nichts im Leben wirklich vorhersagen. Ich könnte mir eventuell vorstellen, das Sorgerecht abzugeben. Entschuldigen Sie, wenn ich das sage - aber Adoptionen sind heutzutage nicht gerade billig. Haben Sie sich erkundigt? Sie kosten ein Vermögen, aber warum auch nicht, wenn's man recht bedenkt... Ein Menschenleben ist kostbar. Trotzdem, ich bin der Ansicht, dass jemand wie Sie nicht aufs Muttersein verzichten sollte." (104) sprach's und entwand sich geschickt der Verantwortung, die Shirley nie wirklich übernehmen wollte, wenngleich sie sich offiziell ganz anders zeigt.

Shirley, Kimbles Großmutter, ist Kimbles einzige Verwandte, die die 5-jährige noch hat, nachdem zuerst ihre Mutter Anita und nun auch ihr Vater, Barry Toffler, an AIDS gestorben waren. Doch es gibt jemanden, die sehr wohl die Verantwortung für Kimble übernehmen möchte. Meg, die hauptberuflich Schalen mit Fruchtbarkeitsgöttinnen töpftert und diese auf Kunstbazaren verkauft, arbeitet ehrenamtlich bei REACH. Sie begleitet in diesem Rahmen AIDS Kranke in ihrer schwierigen letzten Zeit. Barry Toffler ist ihr erster Klient mit Kind. Als er ins Krankenhaus muß und Shirley auf Zockertour in Las Vegas ist, nimmt Meg Kimble zu sich, da sie es nicht übers Herz bringt, sie dem Jugendamt und damit einem Heim zu übergeben. Kimble wächst ihr sofort ans Herz und weckt ungeahnte Muttergefühle, von denen die Mittdreißigerin gar nicht wußte, daß sie in ihr stecken. Auch nach Barrys Tod nimmt sie Kimble zu sich als Shirley Ausreden findet, um sie nicht nehmen zu müssen.

Mit Kimble verändern sich eine ganze Reihe von Dingen in Megs Leben. Sie hat weniger Zeit für sich selbst, muß auf das eine oder andere verzichten, wird zunehmend erwachsener und legt Altes ab. Sie beendet ihre Affäre mit Cami, die nie zu einer dauerhaften Beziehung wurde, und sie kann endlich gedanklich mit ihrer Exfreundin Sarina abschließen, der sie jahrelang hinterherhing. Meg räumt sozusagen unbewußt in ihrem Leben auf. Und als ihre Therapeutin Libby stirbt, töpftert Meg ein Gefäß, in dem sie bei der Herstellung gedanklich Libbys Asche verschließt. Sie trägt Libby regelrecht zu Grabe, auch wenn das Gefäß nie Libbys Urne sein wird, sondern bezeichnenderweise eine Fruchtbarkeitsschale für eine Frau, die auf eine Schwangerschaft hofft. So wie Meg Kimble in ihrem Leben helfen wird, verhilft Kimble in der Zeit, in der sie sich für die Adoption entschließt, zu einem neuen Lebensweg. Auch das Verhältnis zu ihrer snobistischen Mutter Charlotte ändert sich zunehmend. Meg denkt zwar immer wieder daran, was ihr Libby in einzelnen Situationen geraten hätte, agiert nun aber selbstädig anders. Charlotte und Meg können zwar beide noch nicht vollständig ihre alten Verhaltensmuster ablegen, doch die letzte Szene im Roman verspricht einiges. Charlotte läßt sich überreden mit Meg und Kimble zu McDonalds zu gehen, obwohl sie sonst nur in vornehmen Lokalen zu speisen pflegt, und bringt mit einer ihr eher untypischen Geste Kimble genau in dem Augenblick zum Lachen als die Stimmung zu kippen droht. Meg bemerkt dies zwar nicht, fühlt aber, daß die Entscheidung, sich um Kimbles Adoption zu bemühen die richtige war, als sie das lachende Kind auf dem Schoß hat. Und so behält Shirley recht: "Atmen heißt, sich zu verändern; eigentlich kann man nichts im Leben wirklich vorhersagen."

Wunschtochter ist ein rundum schönes Buch, sowohl vom Schreibstil her als auch von der Geschichte aus betrachtet. Man liest es einfach gerne. Ein wahrer Schatz im Bücherregal.

Grossmann, Patricia. Wunschtochter. Berlin: Krug und Schadenberg, 2001. ISBN 3-930041-28-6. 234 Seiten.

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