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Mirjam Müntefering.
Die schönen Mütter anderer Töchter.

Andere Mütter haben auch schöne Töchter. Diesen Satz bekommt man oft zu hören, wenn man noch in der Trauer um die verflossene Exfreundin steckt. Aber wie wär's denn mal mit den Müttern? Eine reife, erwachsene Frau, anstatt einer jungen? Interessante Idee, oder? Und das ist auch schon der Kern der Geschichte von Die schönen Mütter anderer Töchter. Es ist eine sehr witzige und gute Geschichte, in die viele Gedanken über die Lesbenszene gemischt sind. Nur leider ist der Schreibstil oberflächlich und teilweise sogar schlecht. Man merkt dem Roman deutlich an, daß es im Bastei Lübbe Verlag keine Lektoren gibt, die die Bücher gegenlesen. Allerdings sind die vielen unbeholfenen Metaphern, die nicht wirklich greifen, erschreckend, da man eigentlich erwarten könnte, daß die Autorin selbst hier besseren Stoff abliefert. Der Schreibstil ist nicht sonderlich, eher gewöhnlich und oft holprig mit ungeschickter Wortwahl. Die Autorin führt Dinge zusammen, die nicht zusammen passen. Gute Autorinnen machen dies zwar oft, aber dann wirkt es ungewöhnlich, begeisternd und berauschend. Doch hier wirkt es stumpf und aus dem Takt. Und immer wenn man denkt, nun hat sie sich eingeschrieben, nun fließt die Geschichte, kommt ein Patzer dazwischen, der einem das Lesevergnügen wieder versalzt. Am schlimmsten wird dies bei grammatikalischen Fehlern oder wenn Ausdrücke aus der Umgangssprache verwendet werden wo sie einfach nicht hinein passen. Vergleiche werden erklärt, als ob die Autorin der Leserin Nachhilfe geben müßte. Gute Vergleiche sollten sich jedoch von selbst erklären. Schade eigentlich um die gute und witzige Geschichte. Daraus hätte man mehr machen können und auch mehr erwarten können zumal dies kein Erstlingswerk ist, sondern Münteferings dritter Roman. Den Schreibstil könnte man allenfalls als Spiegelbild der Oberfläclichkeit in der Lesbenszene bezeichnen.
Die Geschichte ist eine mitreißende Komödie, die durch ihre Ereignisse begeistert. Die 30-jährige Michelin Schwarz, die für das Fernsehen arbeitet, hatte sich eigentlich geschworen, sich aus der Lesbenszene zurückzuziehen und ihr Single Leben auf der Alm zu genießen. Ihre Freundinnen überreden sie jedoch zur Frauendisco, bei der Michelin die 19-jährige Lena kennen lernt und sich auf Anhieb in sie verliebt. Nach langem hin und her, bei dem man sich fragt, ob Lena nur neue Erfahrungen sammeln möchte und mit Michelin spielt, kommen die beiden zusammen. Allerdings wird schnell klar, daß die beiden nicht so richtig zusammen passen. Unterdessen lernt Michelin auch Lenas Mutter, Angela, kennen und fragt sich bereits für wen sie mehr empfindet - Lena oder Angela. Lenas Mutter scheint auch sehr von Michelin angetan, ist aber sehr verwirrt, da sie noch nie zuvor so für eine Frau empfunden hat. In einer wunderschönen Szene an einem See, den die beiden nachts durchschwimmen, kommentiert Angela sehr treffend was in ihr passiert: es war gar nicht so schwer, das Ufer zu wechseln. Und wie wird die Geschichte wohl enden? Nicht schwer zu erraten, oder?
Parallel zu dieser ungewöhnlichen Liebesgeschichte gibt es gepfefferte Bemerkungen zur Lesbenszene, über die es sich lohnt genau nachzudenken. In einem zweiten Handlungsstrang erleben wir Michelins Freundinnenkreis, der scheinbar den zentralen Tratschzirkel der Szene bildet. Frederike nutzt dies für einen Roman, an dem sie gerade arbeitet. Der Roman ist wohl eine Dokumentation etlicher Ereignisse, Verwirrungen und Beziehungen der Szene, die manchen Leuten ganz und gar nicht schmeckt. Das Manuskript wird gestohlen und die Jagd danach beginnt. Beide Handlungsstränge finden immer wieder zusammen, interagieren und bringen des Rätsels Lösung am Schluß auch ans Licht.
Insgesamt also eine lohnenswerte Geschichte, die leider durch das Ärgernis getrübt wird, daß sie nicht besser geschrieben wurde.
Müntefering, Mirjam. Die schönen Mütter anderer Töchter. Bergisch Gladbach: Bastei Lübbe, 2001. ISBN 3-404-14557-7. 333 Seiten.
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