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Daniela Sobek.
Lexikon lesbischer Frauen im Film.


Cover 
Vor mir liegt das erste deutsche umfassende Lexikon über lesbische Frauen im Film. Ich bin begeistert. Und das Buch kann auch vielen Anforderungen standhalten, die ich automatisch an ein solches Lexikon stelle. Angesichts des Anspruchs auf Vollständigkeit was die längeren Spielfilme angeht, müssen natürlich auch Einschränkungen respektiert werden. So sind die 650 Filmbesprechungen relativ kurz. Sie sind häufig auf eine Inhaltsangabe reduziert, die nur um die eine oder andere filmische Bemerkung ergänzt wird und so für meinen Geschmack allzu oft zu knapp sind. Daniela Sobek klammert außerdem die Kurz- und Dokumentarfilme komplett aus. Aber man kann nicht alles haben, nicht wahr? Dafür besticht dieses Lexikon mit der Vielzahl der besprochenen Filme, die nicht nur eindeutig lesbische Filme umfassen, sondern auch viele viele Filme, die lesbische Andeutungen enthalten. So findet man hier zum Beispiel alle Filme mit den sogenannten Hosenrollen wie Jugend und Tollheit. Wer ausführlichere und differenziertere Filmbesprechungen sucht, sollte zusätzlich Darrens Lesbian Film Guide zur Hand nehmen. Eine Kombination aus beiden Büchern halte ich überhaupt für sehr praktikabel. Während man in Daniela Sobeks Lexikon lesbischer Frauen im Film viel mehr deutsche Filme findet und durch die knackigen kurzen Beschreibungen nicht den ganzen Abend lesen muß bis man sich für einen Film entscheidet und die Videothek schon zu hat, kann man seinen Wissensdurst und Verlangen nach mehr in Darrens Lesbian Film Guide stillen.

Aber das Lexikon lesbischer Frauen im Film gibt auch selbst zusätzliche Informationen. Im ersten Teil werden detailliert lesbische Ikonen vorgestellt wie zum Beispiel Greta Garbo und Marlene Dietrich, und Schauspielerinnen, die in mehreren lesbischen Filmen mitgespielt haben wie zum Beispiel Whoopi Goldberg. Außer einer Biographie, in denen Sobek viel stärker als in den einzelnen Filmbesprechungen ihr Schreibtalent und ihre gute Urteilskraft beweist, findet man hier auch eine Filmographie, in der die Filme mit lesbischem Bezug fett gedruckt sind, und Tips zu weiterführender Literatur. Auch im zweiten Teil findet man viele dieser Verweise und zusätzlich ausführliche Informationen zum Film selbst: ob dieser auf Video erhältlich ist und in welchem System (PAL, NTSC) und oft auch über welchen Verleih, ob der Film nur im TV gezeigt wurde, die Besetzung, und sogar die Namen für Kamera, Regie, Schnitt, und Musik. Als Zusatzbonbon sind sehr viele Filme und alle Biographien mit qualitativ guten Bildern versehen - oft die Filmplakate oder Szenenbilder, die man auch in den Kinos findet. Allerdings sind die Filme alphabetisch nach ihren Originaltiteln aufgelistet. Eine Suche nach Grüne Tomaten kann einen da schon mal verrückt machen. Hieß der englische Titel nun Green Fried Tomatoes oder Fried Green Tomatoes oder Whistle Stop Café? Ein deutscher Index fehlt leider, wäre aber unbedingt wünschenswert. Ein weiterer Nachteil ist, daß das Lexikon nicht in Hardcover Bindung erhältlich ist. Bei seinem Umfang und allein wegen der Tatsache, daß es sich um ein Lexikon handelt und daher häufig zur Hand genommen wird, leidet das Buch sehr schnell. Schade. Aber sonst müssten wir vermutlich noch mehr Geld hinlegen als den ohnehin schon beachtlichen Preis von 58,- DM. Wer jedoch lesbische Filme gern sieht, wird die Investition nicht bereuen. Denn das Lexikon lesbischer Frauen im Film ist einfach unentbehrlich.

Sobek, Daniela. Lexikon lesbischer Frauen im Film. München: belleville, 2001. ISBN 3-933510-19-8. 309 Seiten.

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