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Nigel Cawthorne.
Das Sexleben der Hollywood Göttinen. Die Skandalchronik der Traumfabrik.


Hinter dem Titel verbirgt sich durchaus das, was man vermutet: eine Art übergroße Illustrierte, die das Liebesleben der großen Hollywood Stars der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts ausschlachtet. Dabei gibt sich das Buch einen seriösen Anschein. Und tatsächlich: es ist auch nicht wie eine aufreisserische Bildzeitung aufgebaut und versucht nahe an den Fakten zu bleiben (manchmal fragt man sich allerdings, ob das wirklich alles so geschehen ist), die es mal anekdotisch, mal einfach nur einem wilden Feuerwerk gleichend aneinander reiht. Letzteres entwirft ein wildes Leben dieser Stars, das fast ausschließlich von Sexskaspaden und Intrigen geprägt zu sein scheint. Wer etwas über die künstlerische Seite der Stars erfahren will, ist hier definitiv falsch und dafür ist das Buch auch nicht geschrieben. Es ist ein Wer mit Wem und nochmal ein Wer mit Wem und sonst nichts. Vor dem Leserauge entfalten sich üppige Partys, Verbindungen zwischen diversen männlichen und weiblichen Stars, und ein äußerst frivoles Bild der Besetzungscouch. Die Grenze zwischen homo- und heterosexuell verwischt immer wieder. Ja, lesbisch oder bisexuell zu sein galt oft sogar als schick. Im alten Hollywood scheinen zumindest nach innen die sexuellen Vorlieben in ihrer Diversität vollkommen akzeptiert und toleriert - ganz im Gegensatz zu dem blank geputzten Bild, das man für die Öffentlichkeit immer wieder ein wenig aufpolieren mußte, falls einer der Skandale doch das Licht der Presse erblickt hatte.

In diesem Jahrmarkt der Eitelkeiten begegnen wir den Sexgöttinnen des Stummfilms (z.B. Alla Nassimowa), Louise Brooks (Die Büchse der Pandora), Clara Bow, Jean Harlow, Joan Crwaford ("die Königin der Casting Couch"), der großen Greta Garbo, Marlene Dietrich, der Südstaatenschönheit Tallulah Bankhead, der bezaubernden Ava Gardner, Lana Turner, Rita Hayworth, der anmutigen Grace Kelly, Norma Jean alias Marilyn Monroe und natürlich deren diversen Geliebten. In den vielfältigen Verflechtungen, die der Autor gewissenhaft alle mit kleinen Geschichten versehen auflistet, fällt es einem jedoch oft schwer, den Überblick zu bewahren, was weniger an der Art der Präsentation liegt, sondern an dem Erzählten selbst. Interessant und vor allem aufschlußreich wäre noch gewesen, woher der Autor all die Informationen nimmt angesichts dessen, daß die Filmfirmen alles zu vertuschen suchten. Man kommt nicht umhin, etwas mistrauisch zu sein, ob sich das Erzählte auch wirklich alles so ereignet hat. Aber mal ehrlich: steckt ein bißchen Sensationslust nicht in jeder von uns? Wer Spaß daran hat, seiner Neugier einmal freien Lauf zu lassen und ein Buch nicht in jedem einzelnen Buchstaben ernst zu nehmen, ist hier genau richtig. Man kann ja nicht immer nur bierernste und reingewachste Bücher lesen. Ein bißchen Auflockerung mit einem Hauch Schund für Zwischendurch tut auch mal ganz gut.

Cawthorne, Nigel. Das Sexleben der Hollywoodgöttinnen. Die Skandalchronik der Traumfabrik. Köln: Evergreen, 1999. ISBN 3-8228-6959-7. 320 Seiten.

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