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Stefanie Hetze.
Happy End für wen? Kino und lesbische Frauen.


Cover 
Beim Stöbern im Münchner Buchladen Max und Milian fiel mir dieses Buch sofort auf. Ein Buch über lesbische Filme! Wow. Es stand inmitten anderer Bücher vom Typ "modernes Antiquariat" (Happy End für wen? wird nicht mehr aufgelegt.) Ich griff begeistert zu. Bei der Lektüre mußte ich allerdings festellen, daß nicht nur der äußere Zustand nicht besonders ist. Inzwischen gibt es wesentlich bessere Bücher über lesbische Filme. Stefanie Hetzes Happy End für wen? empfehle ich nur als historisches Dokument für Leserinnen, die sich eingehender mit lesbischen Filmen und wie sie zu verschiedenen Zeiten gesehen wurden, beschäftigen.

Die Einleitung ist sehr emotional geprägt und es bleibt ein Fragezeichen vor den Augen der Leserin stehen hinsichtlich gründlicher Recherche. Und tatsächlich ist das Buch eher pseudowissenschaftlich. Wie sich das für eine wissenschaftliche Abhandlung gehört, gibt es immer wieder Fußnoten zu Quellen, die Hetze verwendet hat. Doch dann wird wieder eine Behauptung bar jeder Begründung, Analyse oder Quelle in den Raum gestellt. Hetze verallgemeinert zu schnell, statt zu differenzieren. An (zum Glück) wenigen Stellen wird sogar Falsches behauptet, wie zum Beispiel, daß Frauen kein Begehren zugeschrieben wurde. Ja, das war einmal. Aber nicht in der Epoche, auf die sich Hetze bezieht. Hier wurden eindeutig historische Fakten in ihrer Chronologie durcheinander geworfen. Karin Lützens Frauen lieben Frauen hätte Hetze hier als Lektüre gut getan.

Stefanie Hetze hat zweifellos viele Filme gesehen und schreibt auch über alle, doch das allein garantiert noch lange keine gute Untersuchung zu lesbischen Frauen im Film. Die meisten Filme werden nur kurz angerissen, ihre inhaltliche Beschreibung läßt oft zu wünschen übrig. Im ersten Teil des Buchs werden die Filme fast motivationslos in chronologischer Abfolge aneinander geordnet dargestellt. Ich hätte mir hier wesentlich mehr Beobachtungen gewünscht, was zum Beispiel für die Filme der 1960er Jahre typisch ist, oder wo man Entwicklungen findet. Leider sind solche Beobachtungen selten und so lohnt sich das Faktensammelsurium als historischer Überblick nur als Grundlage für eigene Schlußfolgerungen.

Glücklicherweise ändert sich das in den darauffolgenden Untersuchungen, die jedoch mal wieder zu knapp ausfallen. Eine detaillierte Untersuchung wäre durchaus wünschenswert gewesen. Leserinnen, die sich das gleiche wünschen, möchte ich an dieser Stelle an Vampires and Violets von Andrea Weiss verweisen.

Wirklich interessant sind Hetzes Untersuchungen im Hinblick darauf, wieviel sich in der Darstellung lesbischer Frauen seit der Veröffentlichung von Happy End für wen? (1986) wirklich getan hat. Allerdings ist man hier selbst gefragt. Der Unterschied zu den Filmen, die Hetze beschreibt und den Filmen, die danach veröffentlicht wurden, ist sehr groß. Den Einschnitt merkt man deutlich. Denn inzwischen gibt es viele Filme, die man sich gerne wieder und wieder ansieht. Filme, die Lesbischsein als das Natürlichste der Welt in ihre Geschichte einbinden und nicht als Kuriosum, über das man schmunzelt, den Kopf schüttelt oder es so sehr verdammen muß, daß die Lesbe angemessen bestraft wird. Filme wie Desert Hearts oder Lianna, die vor 1986 erschienen und bereits diese Wende eingeläutet haben, sind leider nicht in Hetzes Buch enthalten.


Inhaltsverzeichnis

  • Kein angeborenes Merkmal
  • Kreation lesbischer Bilder und Bedeutungen
    • Das Kino als Produzent lesbische Mythen
    • Der lesbische Blick: Lesbische Filmarbeit und Kinowahrnehmung
  • Bausteine zur Geschichte des lesbischen Films
    • Die Lesbe der Leinwand wird geboren
    • Dreißiger bis Mitte der vierziger Jahre
    • Nachkriegs- und fünfziger Jahre
    • Sechziger Jahre
    • Siebziger Jahre bis Mitte der achtziger
  • Etikett lesbisch - Präsentation der Lesben und ihrer Beziehungen
    • Lesbisch auf den ersten Blick
    • Ist sie es?
    • Wie der Zufall so spielt
    • Möchtegern-Mann mit Nicht-Mann: Beziehungskonstellationen
    • Das Los lesbischer Beziehungen
    • Beweisinstrument Kamera - Film- und Kamerakonventionen
  • Die lesbische Gefahr - Dominantes im Gegenblick
    • Demontage dominanter Lesbenmythen
    • "Geliebte, bald geht für uns die Sonne auf." Lesbische Vampirinnen
    • "Der Mann ist ja eine Frau." Frauen, die Hosen anhaben
  • Kino der unbotmäßigen Töchter und Schwestern - Auseinandersetzung mit Realitäten und Visionen im lesbisch-feministischen Film
    • Umkehrung, Imitation und Anpassung
    • Aufbruch, Dekonstruktion und radikale Subjektivität
  • Anhang
    • Anmerkungen
    • Auswahlfilmographie
    • Register
    • Bildnachweis
    • Zum Weiterlesen und Nachschauen

Hetze, Stefanie. Happy End für wen? Kino und lesbische Frauen. Frankfurt am Main: tende, 1986. ISBN 3-88633-076-1. 190 Seiten.

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