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Antje Wagner.
Die Gärten bist du.


Titelbild 
Wer schon immer gerne Antje Wagners Kurzgeschichten in Lespress gelesen hat oder wer eine Vorliebe für intensive und außergewöhnliche Geschichten hat, die beim Lesen unter die Haut gehen, dem wird Die Gärten bist du sehr gut gefallen. Diese Kurzgeschichtensammlung enthält jedoch nicht nur Geschichten, die bereits in Lespress veröffentlicht wurden. Die fünfzehn Geschichten sind teils melancholisch, verführerisch, romantisch und auch makaber. Sie regen geradezu zum Nachdenken an, man liest gerne langsam, um die Geschichten so richtig auf der Zunge zergehen zu lassen. Es ist auch ein anspruchsvolles Lesen, bei dem man viel zwischen den Zeilen lesen kann, bei dem man auch ganze Geschichten wie eine einzige Metapher sehen kann. So komm und laß dich in eine Welt voller Phantasie entführen!

"Feuer und Flamme" ist die Geschichte, die den meisten Leserinnen am besten gefällt. Dies mag an der romantisch schillernden und witzigen Liebesgeschichte liegen, in der eine einen blauen Drachen heiratet. Alle, die ein scheues Reh oder ein Gnu geheiratet haben, beneiden sie. Die Liebe trägt sie über so ungewöhnliche Umstände hinweg wie eimerweise blaue Schuppen im Bett, den täglichen Konsum von dutzenden Müslipackungen und der unglaublichen Größe des Drachen. Eine durchweg romantische Erzählung, mit der man gerne einschläft. Aber es ist "die Geschichte, die nicht ins Buch paßt". Alle anderen Geschichten reißen einen immer wieder aus der Romantik heraus, verführen einen mit ihrem phantastisch morbiden Charakter, mit ihren außergewöhnlichen Wendungen, die das Begehren oft im Traum, in der Hoffnung verharren lassen. Antje Wagner spielt hier mit dem Prinzip der Nichterfüllung, die einen Traum umso begehrlicher und intensiver macht. Und genau damit zieht sie uns in ihren Bann.

Einige Geschichten erzählen vom Verlust einer Beziehung, in der die Heldin ihre Partnerin in ihrem Inneren getötet hat, oder aber selbst zum Opfer geworden ist. "Für ewig" erzählt von zwei Frauen, die sich nie kannten und doch liebten, deren Beziehung deswegen so gut funktioniert, weil sie die Dinge des Alltags vollständig ausblenden und der anderen niemals zu nahe kommen.

Aber nicht alle Geschichten folgen diesem Muster. "Das Manuskript" erzählt wie eine Schriftstellerin eine Figur schöpft, von ihr besessen ist und sie mit dem Beenden der Geschichte schließlich tötet und leidvoll wieder aus ihrem Leben nimmt. "Hol mich" handelt von einer Frau, die das Leben einfach geschehen ließ und nie so gelebt hat, wie sie wirklich wollte, bis ihr ich, vor dem sie regelrecht Angst hat, aber gleichzeitig von ihm angezogen wird, "Hol mich" ruft und nach dem eigenen Leben verlangt.

Eine Vielzahl von Geschichten, die entdeckt werden will!

Wagner, Antje. Die Gärten bist du. Berlin: Querverlag, 2003. ISBN 3-89656-086-7. 183 Seiten.

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