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Astrid Flint
Wie kriege ich meine Traumfrau rum?.


Cover 
Soll man Ratgeber überhaupt ernst nehmen? Bringen sie das, was sie versprechen? Nun, das muß jede für sich entscheiden. Schön ist es aber, daß es auch ein paar wenige für Lesben gibt. Denn was nützen uns all die kleinen Tips, die einem in Heterokreisen bezüglich Männer gegeben werden? Und was nützen uns die vielen Heteroratgeber in den Buchläden? Nichts, richtig. Mit Astrid Flints Wie kriege ich meine Traumfrau rum? haben nun auch Lesben einen Baggerknigge. Man darf allerdings keine ausgefallenen Baggertips erwarten. Auch ist dieses Buch leider nicht so amüsant geschrieben wie der erste Ratgeber Warum verliebe ich mich immer in die falsche Frau? Astrid Flint, eine Frau mit Szeneerfahrung, spricht hier über die eigentlich selbstverständlichen Dinge, die wir im Grunde alle kennen, aber ständig mißachten, weil uns der erhöhte Adrenalinspiegel in der entscheidenden Situation vollkommen lahmlegt.

Um den Adrenalinspiegel ein wenig zu senken und uns die Angst vor dem ersten Schritt zu nehmen, spricht der Ratgeber am Anfang unser eigenes Selbstwertgefühl an, Selbstzweifel an der eigenen Attraktivität ("Schönheit liegt im Auge der Betrachterin." (21)) und Hemmungen, die Angebetete anzusprechen, sollen so gemindert werden (gib dir einen Ruck, denn "Du kannst nicht erwarten, daß deine Traumfrau so lange unangerührt bleibt, bis du dich endlich zum ersten Schritt entscheidest." (30)). Leider nimmt die Autorin die aufgebaute Euphorie wieder zurück als sie ein paar Seiten später sich durch die Augen der Betrachterin sieht: "Ich sehe kleine Falten unter meinen Augen, sich anschleichende Tränensäcke; ich sehe rissige Lippen [...]; ich blicke auf den riiiiesigen Höcker auf meiner Nase, auf die Pickel an meinem Kinn, ..." (25). Das ist zwar witzig gemeint, zerstört aber jede vorherige Bemühung, genau solche Ängste auszuschalten. In solch einen Widerspruch verheddert sich Astrid Flint erneut, wenn sie sagt "Auf gutgemeinte Ratschläge werde ich also nie hören, wenn mir mein Gefühl etwas Gegenteiliges sagt." (31) Eine solche Aussage ist eigentlich Gift für einen Ratgeber, gibt aber zu, daß Ratgeber nunmal auch nicht allwissend sind und nur eine Palette Tips bieten können, die frau selbst selektieren muß. Astrid Flint erweist sich damit als Kind unserer Zeit - einer Zeit, in der es keine einfachen Antworten gibt, in der es tausende von Möglichkeiten gibt: "Insofern muß ich mein Unvermögen darüber zugeben, keinen allgemeingültigen Anmachspruch formulieren zu können. Vielleicht paßt eine Anrede mal in die Situation, aber nicht zur Frau - mal ist es wieder umgekehrt. Laß dir was einfallen... " (74)

Die wichtigste Aussage des Ratgebers ist meines Erachtens nach "Trau dich!" (35) Also weg vom Theoretisieren und raus in die freie Wildbahn und aktiv werden! Wie, du sitzt immer noch vor dem Bildschirm? Du hast Angst vor Abweisung? "Glaube nicht, daß einmal abgewiesen zu werden das Ende der Welt bedeutet." (37) Nur erwarte nicht, daß der Ratgeber dir Tips gibt wie du von bloßem freundschaftlichen Geplänkel und den Balzritualen zur handfesten Beziehung übergehst. Das Buch ist voller Ratschläge, wie frau bis zu diesem Punkt kommt, läßt einen jedoch leider in diesem entscheidenden Augenblick allein. Zudem bietet es leider auch keinen Ansatz, wie man außerhalb der Szene vorgehen kann. Mädels, die die Szene meiden, werden also von Wie kriege ich meine Traumfrau rum? enttäuscht sein. Entschädigt werden wir dafür am Ende des Ratgebers mit einer zwar unwahrscheinlichen aber sehr romantischen Kurzgeschichte.

Immer noch verunsichert? "Was ist schlimm daran, sich für ein anderes menschliches Wesen zu interessieren und das auch zu zeigen?" (34) Also los geht's! Den Knigge unter'n Arm und ab in die Szene.

Flint, Astrid. Wie kriege ich meine Traumfrau rum? Tübingen: elles, 1999. ISBN 3-88769-609-3. 173 Seiten.

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