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Alison Bechdel.
Wilde Lesbenwelt.

Alles beginnt mit der Geburt von Raffael, dem Sohn von Clarice und Toni. Er wird deren Beziehung von Grund auf ändern, denn Toni übernimmt nun den kompletten Haushalt, während Clarice sich weiter hingebungsvoll ihrer Arbeit widmet, ohne merklich Zeit für Toni zu haben. Eine Menge Zündstoff baut sich hier auf. Mo verliebt sich hoffnungslos in Thea, die jedoch schon gebunden ist und nur kurz kommt es zu einem Hoffnungsschimmer, während Lois sich diversen anderen Frauen bereits gewidmet hat. Aber das sollte nicht das einzige Unglück für Mo sein. Ein Hexenschuß und auch noch eine weitere Beziehung, die keine Zukunft hat. Da fragt man sich schon bei der Lektüre des dritten Bandes, ob unsere Heldin denn je glücklich werden kann. Die anderen Frauen scheinen auch in ihrem bisherigen Leben gefangen zu sein und kommen nicht merklich voran. Ginger zum Beispiel ist noch immer nicht mit ihrer Dissertation fertig und drückt sich weiterhin mit Erfolg vor dem weiteren Schreiben. Wer jetzt denkt, daß es einem spätestens nach dem zweiten Bechdel Comic schon langweilig wird angesichts der wiederkehrenden Motive, liegt jedoch falsch. Jeder Band der Comicreihe steht für sich, ist eine einzige Geschichte, die aus verschiedenen Episoden besteht wie in einem Roman, doch jeder Band trägt auch immer den Fortsetzungsgedanken bereits in sich. Die verbindenden Elemente sind also notwendigerweise wiederkehrende Motive, die allerdings immer wieder lustig abgewandelt werden und stets mit neuen Elementen bereichert werden. Es wird einem also auf gar keinen Fall langweilig! Besonders lustig sind wie immer auch die Kleinigkeiten in einzelnen Bildern, wie zum Beispiel ein nimmer enden wollendes Regal im Madwimmin Books Laden mit Claire of the Moon - the Movie, The Video about the Movie, The Novel based on the Movie, The Cookbook inspired by the novel, etc. Allerdings findet man nicht nur Seitenhiebe auf die Lesbenszene, sondern auch auf die amerikanische Politik, die zum Veröffentlichkeitsdatum des Bandes gerade aktuell ist. Schade nur, daß es kein deutsches Pendant gibt.
Kommerziell geschickt ist das Ende formuliert, das einen geradezu dazu zwingt, den folgenden Band zu kaufen, da man unbedingt wissen will, wie es mit Toni in dieser prekären Situation weiter geht, in die sie sich im letzten Bild begibt. Statt diese Neugier in diesem Band zu befriedigen, spendiert uns Alison Bechdel ein paar Seiten über die Anfänge der verschiedenen Frauenfreundschaften, durch die Ginger führt. Sie entzieht sich wie immer ihrer Dissertation und interviewt für das Frauenarchiv lieber ihre Freundinnen über deren Vergangenheit. Die durchgängig gute Charakterisierung der einzelnen Figuren ist auch hier hervorragend gemacht. Die diversen Macken Mos, Lois Vorliebe für freizügige Liebe, Ginger als beginnende Dauerstudentin, alles ist schon in ihrer Jugend in Ansätzen vorhanden. Man kann sich richtig vorstellen, wie sich das bis zum heutigen Zeitpunkt weiterentwickelt.
Bechdel, Alison. Wilde Lesbenwelt. Göttingen: Daphne, 1998. ISBN 3-89137-013-8. 142 Seiten.
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