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Alison Bechdel.
Lesbenläufe.


Titelbild 
Dies ist der erste Band in einer bisher sieben bändigen Comic Serie von Alison Bechdel, die in den USA bereits Kultstatus hat und hier in Deutschland mit den übersetzten ersten fünf Bänden auch schon einen hohen Bekanntheitsgrad erreicht hat. Wer schon einen späteren Bechdel Band kennt, wird viel Spaß daran haben, die verschiedenen Entwicklungen zu beobachten. Bechdel selbst beginnt zwar schon auf einem sehr guten erzählerischen Niveau, steigert dies jedoch noch von Band zu Band, und entwickelt sich auch zeichnerisch. Ebenso entwickeln sich ihre Figuren. Wir können beobachten wie sie älter werden und wie sich ihr Charakter verändert. Dabei sind manche schon im ersten Band sehr ausgeprägt und ausgefeilt. Andere wiederum gewinnen an Tiefe in der Charakterisierung. In allen Bänden begegnen wir dem gleichen "Basisset" an Figuren, das pro Band um die eine oder andere Lesbe erweitert wird. Im Wesentlichen dreht sich alles um Mo, die politisch oft Überkritische und unglückliche Dauersingle mit dem einen oder anderen verhaltenen Abenteuer, das sie dann doch mehr in seinen Bann zieht als sie Anfangs zugeben will. Bechdels Comic Reihe kann also wie ein Fortsetzungsroman gelesen werden, der aus einzelnen Episoden besteht. Es wird aber nie so viel Wissen vorausgesetzt, daß man nicht auch mal den einen oder anderen Band lesen könnte. Es entgeht einem nur manchmal ein Witz am Rande, der den Zusammenhang zwischen den Bänden herstellt.

In diesem ersten Band begegnen wir Lois, einer vielfrauenliebenden Freundin Mos, Toni und Clarice, deren Beziehung wider allen Unkenrufen hält und hält, und natürlich Mo, die nach längerer Arbeitslosigkeit im Madwimmin Buchladen als Kassiererin anfängt. Dieser Buchladen, in dem auch Lois arbeitet, wird in den nächsten Bänden zu einem zentralen Schauplatz ausgebaut. So ist es auch nur schicksalhaft, daß Mos Schwarm Harriet sie bei Madwimmin besucht und so den Stein ins Rollen bringt.

Die vielen lustigen Pointen kommen oft aus der Selbstironie, die bei Bechdel nie fehlt. Mo ist zum Beispiel ensetzt, als Clarice ihr erzählt, daß sie und Toni darüber nachdenken, einen gut bezahlten Job anzunehmen, statt weiter für ihre Ideale zu kämpfen, um sich so Kinder und ein Haus leisten zu können. Mo kann es nicht fassen, daß ihre radikal feministische Freundin darüber nachdenkt und auch Clarices Beschwichtigung, sie habe nur Spaß gemacht, kann Mo in ihrem Monolog über den politischen Weltuntergang nicht stoppen. Wer weiß, vielleicht spürt Mo schon, daß Clarice und Toni genau diese Wünsche in Band vier und fünf tatsächlich umsetzen werden? Ein anderes Mal wettert Mo, wie sich Lois nur einen Videorekorder kaufen kann während Kinder verhungern, und im nächsten Augenblick sitzt sie sehnsüchtig vor dem Fernseher und bittet Lois darum, die regnerische Kußszene von Desert Hearts zu wiederholen. Bechdels Comics sind auch immer Geschichten über Lesben mit Idealen, die diese je älter sie werden, zugunsten der Annehmlichkeiten des Lebens ganz oder teilweise aufgeben. Nur Mo bleibt sich selbst treu. Sie sieht man von Band eins bis fünf in vielen politischen Monologen gequält von Zukunftsangst und ständig in Konflikt zwischen Realität und ihren Idealen. Doch bei ihr siegen die Ideale. Diese Tatsache führt ihre Freundinnen schon manchmal an den Rand der Verzweiflung. Später werden sie dazu übergehen, Mo monologisieren zu lassen und nebenher ihrer eigenen Beschäftigung nachzugehen.

Also unbedingt lesen. Übrigens: es gibt auch immer wieder viele lustige Details, die im ersten Band zwar noch nicht sehr ausgeprägt sind, im Laufe der Comic Reihe sich jedoch noch stark entwickeln. Also: immer auch darauf achten, was sich sonst noch außer den Hauptfiguren im Bild befindet.

Bechdel, Alison. Lesbenläufe. Göttingen: Daphne, 1991. ISBN 3-89137-012-1. 118 Seiten.

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