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Michèle Atanasoff
Warum verliebe ich mich immer in die falsche Frau?.


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Jede kennt die Situation: Beziehung vorbei, Frust, Nachdenken und oft die Frage: warum verliebe ich mich nicht einfach in die Frau meines Lebens (am Anfang der Beziehung hatte ich das zwar gedacht, aber da hatte ich auch noch die rosa Brille auf), warum verliebe ich mich immer in die falsche Frau? Eine schwierige Frage. Kann man sie überhaupt beantworten? Muß man dazu nicht auch wissen, was Anziehungskraft und Liebe ausmacht und auslöst? Der Ratgeber Warum verliebe ich mich immer in die falsche Frau? beschäftigt sich mit beidem. Doch der Ratgeber wird uns nicht mit der universellen Antwort versorgen, die unseren Wissensdurst für immer stillt. Vielmehr werden mehrere Antwortmöglichkeiten vorgestellt, die zum Nachdenken anregen.

Der Ratgeber geht dabei nicht nach dem trockenen Ausgangssituation-Lösungsansatz-Muster vor. Und genauso wenigt liest er sich wie ein langweiliges Sachbuch, sondern ist eine Mischung aus Theorie und Roman, wohl in Anlehnung an die sokratischen Gespräche. In einem Zweiergespräch unterhalten sich Die vom Beziehungsleben Frustrierte und die Therapeutin Unverbesserliche Berufsoptimistin. Erstere klagt zweiterer ihr Leid und führt scheinbar nie enden wollende Beispiele von Frauen an, die sich immer und immer wieder in die falsche Frau verlieben. Sie erzählt in ihrem amüsanten und witzigen Stil Situationen, die einem verdächtig bekannt vorkommen. Die eine verliebt sich immer nur in Heteras, die andere kommt von einer Kurzzeitbeziehung in die andere, obwohl sie eine Langzeitbeziehung sucht, etc. Immerzu verlieben sich diese Frauen in den gleichen Typ Frau und stecken so in einem niemals enden wollenden Teufelskreis, anstatt endlich die Frau für's Leben zu finden. Dem widerspricht die Unverbesserliche Berufsoptimistin wehement. Sie vertritt die These, daß die Frauen, die wir ständig als die falsche Frau bezeichnen, eigentlich die richtigen Frauen sind. Zweifel an dieser These? Der Vom Beziehungsleben Frustrierten geht es genauso. These und Widerlegungsversuche stehen sich in den folgenden Beispielepisoden immer wieder gegenüber. Fragen, die sich einem in einem Gesprächsteil aufdrängen, werden meistens im folgenden Abschnitt von der Vom Beziehungsleben Frustrierten auch gestellt. Es ist interessant, mit welchem Gefühl die Autorin hier vorgeht. Basierend auf ihrer Arbeit als Psychotherapeutin und ihrer psychologischen Analyse will Michèle Atanasoff uns nahebringen, daß es die perfekte Frau und perfekte Beziehung nie geben wird, aber auch daß die Frage nach der falschen Frau so nicht richtig ist. Wie kommt sie jedoch zu der These, daß die falsche Frau eigentlich die richtige ist? Michèle Atanasoff geht dabei von der Kindheit und den bisherigen Erfahrungen einer jeden aus. In ihrer Rucksack Metapher erklärt sie, daß jede beides wie einen Rucksack mit sich herum trägt und auf neue Situationen mit alten Mustern reagiert, die sie aus dem Rucksack auspackt, um in diesen Situationen zu bestehen. Hat eine zum Beispiel schlechte Erfahrungen mit Nähe und hat daher Angst davor, so wird sie sich klassischerweise eine Unerreichbare aussuchen, um sich selbst zu schützen. Die Angebetete paßt so in bisherige Erfahrungsmuster. Das menschliche Grundbedürfnis nach Liebe und dem Geliebtwerden steht aber häufig im Konflikt mit den bisherigen Erfahrungsmustern. Und obwohl das wiederholte Auftreten dieser Muster die Chance zur Lösung des zugrunde liegenden Problems bietet, verharren wir trotzdem meistens in altbekannten Verhaltensmustern. Der Mensch scheint an diesen Mustern regelrecht zu hängen, da sie bekannt und gewohnt sind. "Wenn ich zum Beispiel der Überzeugung bin, ich sei nicht liebenswert, weil ich das in meinem Elternhaus vermittelt bekommen habe, dann werde ich in meinen nahen Beziehungen einerseits immer wieder die Bestätigung für diese Überzeugung suchen und andererseits aber hoffen, daß ich in dieser Überzeugung widerlegt werde." (88) Jede sucht sich also die Partnerin, die zu ihren Erfahrungen paßt, also die richtige Frau.

Für mich sind Thesen, die sich so stark auf die Kindheit beziehen, immer suspekt. Michèle Atanasoff berücksichtigt zwar auch Erfahrungen, die außerhalb der Kindheit liegen, dennoch ist mir das ein bißchen zu einfach. Außerdem ist das Leben zu vielseitig, um einen Sachverhalt auf eine Ursache zu reduzieren. Und wie es in der Psychoanalyse so ist, gibt es auch andere Theorien, die der einen gegenüber stehen (diese werden jedoch nicht in Warum verliebe ich mich immer in die falsche Frau? vorgestellt). Die Transaktionsanalyse zum Beispiel würde Atanasoffs These wohl eher ironisch auffassen. In der Transaktionsanalyse würde man sagen, daß man immer auf die gleiche Frau zugeht, weil sie Teil unseres Skriptes ist, das es in der Regel zu durchbrechen gilt, um durch die entstandene Bewegung zu sich und seinem wahren Leben zu finden.

Wenn wir also immer wieder an den gleichen Typ Frau geraten, obwohl uns das gar nicht gut tut wäre es nützlicher, ein Transaktionsanalyse Buch zu lesen, anstatt der These von Atanasoff zu folgen, daß diese Frau eigentlich genau die ist, die wir brauchen. Denn schließlich sind wir damit ja nicht wirklich glücklich, uns einfach in ein Schicksal zu ergeben, das uns nicht zu dem führt, was wir wollen.

Atanasoff, Michèle. Warum verliebe ich mich immer in die falsche Frau? Tübingen: elles, 1998. ISBN 3-88769-605-0. 205 Seiten.

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